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Premiere
9. April 2011

Anne Habermehl

LETZTES TERRITORIUM



Nathalie, Angestellte beim Einwohnermeldeamt Stuttgart, und der aufstrebende Journalist Gerhard trennen sich. Mit Sohn Moritz, 16, fährt Nathalie erstmal in den Urlaub nach Fuerteventura. Dort – am frisch für die Touristen planierten und geharkten Sandstrand – entsteigt ein illegaler Einwanderer den Fluten. Er ist kurz vorm Verdursten. Moritz gibt ihm Wasser. Die Schutzpolizei ist auch schon da, nimmt den jungen Ingenieur mit Namen Mehdi, der all seine Ersparnisse für die Schlepperorganisation ausgegeben hat, in Gewahrsam und steckt ihn in ein Auffanglager.
Nathalie lässt sich von diesem kleinen Zwischenfall den Urlaub nicht verderben und stürzt sich weiter ins „All-inclusive-Paradies“, samt Urlaubsflirt. Moritz, wütend auf das Leben seiner Eltern, das Geld seines Vaters, die neue Lebenslust seiner Mutter, geht die Begegnung mit Mehdi nicht mehr aus dem Kopf. Er sucht ihn im Lager auf, steckt ihm seine Adresse in Stuttgart zu. Dort steht Mehdi irgendwann tatsächlich vor der Tür, wird von Moritz aufgenommen und gerät nicht nur in die Mühlen der Asylpolitik, sondern auch in die der Kleinfamilie. Er wird Spielball und Katalysator im Beziehungsdreieck Vater/Mutter/Sohn, das sich zunehmend von den normalen Problemen der liberalen Mittelschicht entfernt und von den globalen Schwierigkeiten gesprengt wird.
Hauptsprengsatz ist allerdings nicht Mehdi, der illegale Afrikaner, sondern Moritz, der durchschnittliche Junge, der sein Konto plündert, die Schule schwänzt, Elektroartikel klaut und eines Tages mit blutigem Messer in der Hand aus dem Stadtpark zurückkehrt ...

Anne Habermehl lässt in ihrem Stück die Auswirkungen der Weltwirtschaft im Herzen des aufgeräumten Bürgertums ankommen. Dort, wo Eltern die Freunde ihrer Kinder sein wollen, man aufgeklärt, liberal, vermögend und gebildet ist. Aber dennoch völlig hilflos, wenn die wahren Probleme des 21. Jahrhunderts vor der Türe stehen.

LETZTES TERRITORIUM wurde 2008 am Thalia Theater Hamburg uraufgeführt.


© Landestheater Tübingen