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Premiere
18. Februar 2011

Friedrich Schiller

MARIA STUART


„Die Welt hat nicht Raum genug für mich und sie,“ heißt es wortgewaltig in Heinrich von Kleists „Das Käthchen von Heilbronn“. Dieser Satz trifft um so mehr auf das wohl bekannteste Duell zweier Frauen der Weltliteratur zu: In Friedrich Schillers MARIA STUART treffen Maria, Königin von Schottland, und Elisabeth, Königin von England – beide faszinierend und fehlerhaft – unversöhnlich und von fremden Interessen gesteuert, aufeinander. Elisabeth, die ihre politische Gegnerin hat einkerkern lassen, wird bei ihrer Entscheidung, Marias Todesurteil zu unterschreiben oder aber – im Gegenteil – in direkten Kontakt zu ihr zu treten und ein Übereinkommen zu suchen, immer wieder zutiefst verunsichert durch einen Pulk politischer Berater, die zum Teil als Doppelagenten unterwegs sind und, wenn es brenzlig wird, unerwartet die Seiten wechseln, um ihren eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Auch Maria, die im Kerker auf ihre Befreiung hofft, ist auf diese männlichen Macht- und Funktionsträger in ihrer Umgebung angewiesen. Und so verfangen sich am Ende beide Frauen in einem Netz aus Intrigen, Liebschaften, Eifersucht und Verrat, werden zu unberechenbaren Kurzschlussaktionen getrieben und verfallen dort in Panik und Todesangst, wo eigentlich Solidarität, Diplomatie und Besonnenheit walten sollten.

Historisch hat sie nie stattgefunden, die Begegnung zwischen den beiden Königinnen Maria und Elisabeth. Bei Friedrich Schiller kulminiert im fingierten und furios sich hochschraubenden Schlagabtausch der beiden Frauen die Frage nach dem Verhältnis von Macht und Moral, von politischem Zwang und privaten Gefühlen. Den inneren Weg, den Maria Stuart dabei – vom Kerker bis zu ihrer Hinrichtung – geht, vollzieht Schiller in seinem 1800 uraufgeführten Drama mit all seinen moralisch-religiösen Implikationen nach.


© Landestheater Tübingen