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Premiere
11. Februar 2011

Felicia Zeller

GESPRÄCHE MIT ASTRONAUTEN



Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schafft einen Arbeitsmarkt für die Übernahme sozialer Aufgaben. Wer es sich leisten kann, füllt die Lücke, die das staatliche Betreuungsangebot klaffen lässt, mit privater Pflege für die Alten, Kranken und die Kleinen. Felica Zeller nimmt in ihrem neuesten Stück den Billiglohnsektor Kinderbetreuung in den Blick.
Au-Pair-Mädchen aus Stohlen, der Ukulele, Rustland und anderen lustig klingenden Armenhäusern Europas erzählen über ihre Erfahrungen in Knautschland. Dort wird von den jungen Frauen für ein wenig Geld einiges verlangt: Sie müssen bei hysterischen Karrieremuttis waschen, bügeln und verwöhnte Kinder betreuen. Dafür sehen sie – ausgestattet mit etwas Taschengeld – was von der Welt und können Knautsch lernen. Und sich, bitteschön, den Lebensgewohnheiten vor Ort anpassen. Beispielsweise darf man sich bei vegetarischen Familien kein schönes Hammelkotelett in die Pfanne hauen. Dafür steht die Obstschale für jeden und jederzeit offen.
Papas gibt es auch. Die sind sehr erfolgreich und richtig weit weg. Sie reisen als Astro- oder Kosmonauten durch den Weltraum. Da ist alles international vernetzt und man ist ausschließlich als Weltbürger unterwegs. Auf dem Boden der Tatsachen der globalisierten Erde ist dann alles weit aus schwieriger. Da ist Ausbeutung ein Thema, Verständigung ein Problem, und die Vorurteile knallen aufeinander. Absurd, witzig, bitter und verdammt böse ist diese Komödie, und sie ist verfasst in einer virtuosen Sprache, die übers Tempolimit hinausschießt, Schallgrenzen durchbricht. Eine Melodie der Überforderung.


© Landestheater Tübingen