Wir sind umgezogen! Hier gehts zur neuen Homepage des LTT

FotoFotoFotoFotoFotoFotoFoto

Deutschsprachige Erstaufführung
11. Juni 2010

Sergej Medwedjew

Irina - Eine Friseuse // Die Kröte

Ein Double-Feature mit Medwedjews neuesten Stücken


Übersicht

24. Juni 2010
Schwäbisches Tagblatt

14. Juni 2010
Reutlinger Generalanzeiger

14. Juni 2010
Reutlinger Nachrichten

14. Juni 2010
Schwäbisches Tagblatt

14. Juni 2010
Schwarzwälder Bote

12. Juni 2010
Nachtkritik.de


Die Kröte macht das Hirn auf
Autor Medwedjew über die aktuellen LTT-Stücke "Irina" und "Die Kröte"

Sergej Medwedjew, der Autor der aktuellen LTT-Stücke "Irina – eine Friseuse" und "Die Kröte" stellte sich am Dienstag gemeinsam mit dem LTT-Team den Fragen des Publikums.
Ein Gespräch passend zum Start der 2. Tübinger Übersetzerwoche: "Die Texte der beiden Dramen haben ja bekanntlich gleich zwei Grenzen überwunden", führte LTT-Dramaturgin Christiane Neudeck ins Thema ein. "Die deutschrussische Sprachgrenze und die Grenze zwischen Text und Bühne."
Autor Medwedjew fand beide Übertragungen gelungen. Das mit den Grenzen sei eh ein wenig übertrieben, sagte der Russe: "Letzte Woche war ich bei einer Aufführung der ‚Friseuse‘ in Ungarn. Da waren es dann die Ungarn, die gesagt haben, wie genau in dem Stück doch die ungarische Seele getroffen wird." Medwedjews Humor scheint tatsächlich grenzüberschreitend zu funktionieren. Auch bei der dritten Aufführung der zwei Mini-Dramen am Dienstag lachte der ausverkaufte Werkstatt-Saal. "Und immer an genau den Stellen, an denen auch in Russland gelacht wird", wie Medwedjew beobachtet hatte. "Das hat mich beeindruckt. Und gleichzeitig
konnte ich mich davon überzeugen, dass die These vom kulturell unterschiedlichen Humor nur ein Mythos ist."
Elina Finkel war weitgehend derselben Meinung. Gefragt, ob es nicht ein Problem sei, dass in ‚Irina‘ und der ‚Kröte‘ Frauen von Männern misshandelt werden und darüber auch noch gelacht würde, sagte die Regisseurin und Übersetzerin der Stücke: "Es gibt befreites, hilfloses oder auch entsetztes Lachen bei den Szenen des Stückes. Und meiner Meinung nach ist Humor auch ein gutes Mittel, Schrecken vorzuführen. Das macht einfach das Hirn auf, viel mehr als ein trockener Moralkodex." Die Frauen in ‚Irina‘ und ‚Die Kröte‘ mögen Schreckliches erfahren, sie fühlten sich jedoch nie als Opfer. "Das Lachen ist die beste Möglichkeit, das Leben anzunehmen", ergänzte Autor Medwedjew. "Es versöhnt uns mit dem Schrecken, zu sterben."
Medwedjew, Jahrgang 1960, hat erst spät zum Theater gefunden – vorher war er Naturwissenschaftler in der russischen Heimat. Und doch erhielt Dramaturgin Christiane Neudeck nur eine knappe Antwort auf ihre Frage, wo denn moderne Wissenschaft im Werk des Autor zu finden sei: "Der einzige Begriff aus meinem physikalischen Erfahrungsschatz, den ich verwendet habe, ist ‚Entropie‘", grinste Medwedjew.
Zufriedenheit allenthalben also über die Übertragung der russischen Originaltexte auf die deutsche Landesbühne. Und auch bei der weiteren Suche nach kulturellen Unterschieden zwischen Russland und Deutschland musste Medwedjew schon sehr ins Detail gehen: "Das Wort ‚Kröte‘", klärte der Autor auf, "ist im Russischen ein eher neutraler Begriff für eine Frau."

Eike Freese, Schwäbisches Tagblatt, 24. Juni 2010


© Landestheater Tübingen