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Deutschsprachige Erstaufführung
11. Juni 2010

Sergej Medwedjew

Irina - Eine Friseuse // Die Kröte

Ein Double-Feature mit Medwedjews neuesten Stücken


Übersicht

24. Juni 2010
Schwäbisches Tagblatt

14. Juni 2010
Reutlinger Generalanzeiger

14. Juni 2010
Reutlinger Nachrichten

14. Juni 2010
Schwäbisches Tagblatt

14. Juni 2010
Schwarzwälder Bote

12. Juni 2010
Nachtkritik.de


Der Traumprinz sitzt
Theater - Das LTT zeigt zwei absurd-groteske Stücke des russischen Gegenwartsautors Sergej Medwedjew: »Die Kröte« und »Irina - eine Friseuse«

Gerade noch hat Pawel, der Busfahrer, davon geträumt, da geschieht es wirklich: Seine Lebensgefährtin Ljudmilla, von Beruf Anstreicherin, hat sich in eine Kröte verwandelt. Im häuslichen Wohnzimmer riecht es plötzlich sumpfig. Da ist guter Rat teuer, zumal sich Freunde, Familienangehörige, Kollegen, ein Arzt und auch die Polizei für die Blitzmetamorphose interessieren. Schwierig gestaltet sich auch Pawels Schäferstündchen mit der heimlichen Geliebten, bei dem das dicke, quakende Geschöpf danebensitzt.

Spießer-Idylle mit Amphib
Erfrischend, temporeich und mit ausgeprägtem Sinn fürs richtige Timing hat Elina Finkel in der LTT-Werkstatt die Alltagsgroteske »Die Kröte« des russischen Gegenwartsautors Sergej Medwedjew inszeniert. Karlheinz Schmitt überzeugt als überforderter Busfahrer, während Nadia Migdal beeindruckend den Beweis dafür liefert, dass man sich auch als nahezu bewegungsunfähige und einsilbige Amphibie (»Oaak«) in die Herzen der Zuschauer spielen kann.

Ausstatterin Gitti Scherer hat ihr die warzige zweite Haut auf den Leib geschneidert und die quadratische Drehbühne in eine Spießeridylle verwandelt, in der alles möglich ist, das Absurde wie das Poetische und das brüllend Komische. Am Schluss zeichnet sich sogar eine zartbittere Möglichkeit von Glück ab, die weder Pawel noch seine Ljudmilla für möglich hielten.

Ein Haarsalon in der Provinz
Mit »Irina - eine Friseuse« hat Finkel der deutschsprachigen Erstaufführung ein weiteres Stück Medwedjews an die Seite gestellt. Gerade mal eine Stunde lang, zeigt es erneut die wunderbare Nadia Migdal in der Titelrolle, diesmal als hoffnungslos naive, von Freunden und Verehrern umgebene junge Frau, der ihre Blauäugigkeit und ihr Hunger nach Abenteuer zum Verhängnis werden. In ihrem Friseursalon in der russischen Provinz träumt sie von Moskau und ihrem Märchenprinzen, der wegen eines Gewaltverbrechens im Gefängnis sitzt und den sie noch nie gesehen hat. Rasant und schwarzhumorig nimmt das Unheil seinen Lauf, offenbart die Romanze unter der makellosen Schale ihren realen und brutalen Kern.

Zwar fallen die Figuren durch die Bank etwas holzschnittartig aus, doch gelingt es Silvia Pfändner, Karlheinz Schmitt, Martin Schultz-Coulon, Udo Rau und Martin Maria Eschenbach, sie mit Leben zu füllen. Regisseurin und Übersetzerin Elina Finkel scheint das beherzigt zu haben, was sie über den Autor sagt: »Mir kommt es vor, als würde er mit mildem Lächeln auf seine Figuren schauen und den Kopf schütteln über deren Dummheiten.« Stürmischer und lang anhaltender Applaus.

Christoph B. Ströhle, Reutlinger Generalanzeiger, 14. Juni 2010


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