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Premiere
9. Oktober 2009

Peter-Paul Zahl

Fritz - A German Hero

250 Jahre Schiller


Übersicht

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Haller Tagblatt

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1. Dezember 2009
Südwest Presse

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Gmünder Tagespost

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Waiblinger Kreiszeitung

13. Oktober 2009
Reutlinger Nachrichten

12. Oktober 2009
Reutlinger General-Anzeiger

12. Oktober 2009
Schwarzwälder Bote


Die wilden Jahre des verehrten Helden Schiller
Schwäbisch Gmünd. Das Landestheater Tübingen begeisterte im Gmünder Stadtgarten mit "Fritz - A German Hero" von Peter-Paul Zahl. Im Mittelpunkt des Spektakels: die Jugendjahre Friedrich "Fritz" Schillers.

Schiller, unser verehrter Nationalheld, hatte sein Leben natürlich nicht auf dem Denkmalsockel begonnen, zu dem wir heute in Ehrfurcht aufsehen. Die Anfänge des großen Mannes zum Thema eines Theaterstücks zu machen, war die faszinierende Idee von Peter-Paul Zahl. Das Landestheater Tübingen (LTT) brachte das Stück nach Schwäbisch Gmünd.

Erstaunlicherweise war der Stadtgarten nicht einmal zur Hälfte gefüllt, wobei die Jugend dominierte. Den Besuch hat sicher niemand bereut. "Die Mixtur aus Dokumentartheater, Spielszenen und Musikcollage", so das Programm, faszinierte Jung und Alt von der ersten Szene an. Da wirkte der Theaterjugendclub des LTT mit und schilderte schlaglichtartig das allgemeine Umfeld, in dem Schiller aufwuchs.

Man hörte die Namen der damals bekannten Dichter, erfuhr von Kultur und Politik jener Jahre. Fritz Schiller war ein Kind jener Zeit, erzogen im unbedingten Glauben an die Autoritäten. Als ihn Herzog Carl Eugen, ein Herrscher "von Gottes Gnaden", ausgestattet mit unumschränkter Macht, in seine Carlsschule kommandiert, gehorcht er selbstverständlich, wenn ihm auch der eiserne Drill zuwider war.

Wie die Tübinger das darstellen, ist schlichtweg genial. Über die Kante einer Rampe ragen eine Reihe von Händepaaren, die den gebellten Befehlen gehorchen. Hände falten zum Gebet, Hinsetzen, Aufstehen, Abmarsch. Nur in den Nächten darf er seiner inneren Stimme gehorchen und dichten, dichten. Da zuckt die Feder, da fliegen Blätter. Nicht alle Mitschüler können ihn verstehen. Viele sehen ihn auf der Flucht aus der Realität in eine Traumwelt. Daran zerbrechen Freundschaften.

Dem Herzog, der seine Schüler persönlich penibel überwacht, entgeht Schillers Schreiberei nicht. Er befiehlt ihm, das letzte Gedicht vorzulesen. Schiller erfindet rasch einen Vers, der dem Herzog gefällt. Für solches Dichten werde er ihn unterstützen, sagt er ihm zu. Dabei empört sich in ihm alles gegen die Tyrannei. Er lässt sich inspirieren von französischen Bücher, etwa von Rousseau wie auch vom amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, träumt von Widerstand, von Rebellion.

In einer spannenden Abfolge von Szenen folgt das Publikum Schillers Weg in der Carlsschule, begleitet von Gitarre, Flöte, Schlagzeug, Songs. Mit 21 verlässt er endlich die Schule, auf der er Jura und Medizin studiert hat, und wird Regimentsmedicus in Stuttgart, immer noch unter dem Kommando des Herzogs. Seine Zimmerwirtin inspiriert ihn zu schwärmerischen Liebesgedichten an "Laura", vermutlich eher in der Traumwelt angesiedelt.

In der harten Realität fehlt es ihm auch an Geld. Den Druck der "Räuber" muss ihm eine Korporalswitwe finanzieren, die darüber beinahe im Schuldturm landet. 1782 kommt die große Wende nach oben, in den Olymp. Seine "Räuber" schlagen in Mannheim sensationell ein. In Stuttgart verhängt ein darob höchst ungnädiger Herzog Schreibverbot.

Auf der Bühne reagiert Schiller mit einem wilden Triumphtanz, er hat gewonnen. Das Schlussbild vereint ihn mit dem anderen Titanen des Geistes, mit Goethe, auf einem Denkmalsockel. Anhaltender Applaus für die rundum gelungene Aufführung.

Besonders beklatscht werden Claudio Schulz-Keune in der Titelrolle, Rupert Hausner als Herzog, Magdalena Flade als beliebter Lehrer der Carlsschule, Marion Mauser als Vermieterin. Die Meisten hatten noch andere Rollen zu verkörpern, wobei das Trio der Stuttgarter Nachbarn herausragt. In breitestem Schwäbisch - jeder Stuttgarter hat solche Nachbarn zur Genüge genossen - missbilligen sie Schillers Lebenswandel.

Sehr einfühlsam agierten Heiner Kondschak und Christian Dähn beim musikalischen Part. Über die Schuluniform konnte man geteilter Meinung sein. Kurze Hose zu Rohrstiefeln trugen nicht nur die Schüler, sondern alle außer dem Herzog, auch die Damen.

Kurt Leibrand, Südwest Presse, 1. Dezember 2009


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