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Premiere
9. Oktober 2009

Peter-Paul Zahl

Fritz - A German Hero

250 Jahre Schiller


Übersicht

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Haller Tagblatt

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Waiblinger Kreiszeitung

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12. Oktober 2009
Reutlinger General-Anzeiger

12. Oktober 2009
Schwarzwälder Bote


Freiheit! Freiheit! Freiheit!
Theater LTT-Kinder- und Jugendtheater macht in »Fritz A German Hero« Friedrich Schillers Jugend lebendig

Jugendliche, die aus gelben Reclam-Heftchen Schiller zitieren, empfangen die Besucher des LTT-Beitrags zum Schillerjahr. »Freiheit! Freiheit! Freiheit!«, tönt es kämpferisch aus vielen Kehlen über die Köpfe des Publikums hinweg. Schiller, das Idol der Freiheit und man selbst? Sind die Jugendlichen von heute, speziell die Mitglieder des so stimmstarken Theaterjugendclubs am Landestheater, frei? »Ja ziemlich mehr oder weniger«, antworten sie. Jedenfalls bedeutend mehr als es Friedrich Schiller war. Und das wird dann von ihren Profikollegen anhand von Peter-Paul Zahls Stück »Fritz A German Hero« mit der Musik von Heiner Kondschak auf der Bühne packend dargelegt.

Zum 250. Geburtstag des Dichterfürsten Friedrich Schiller hat sich das Kinder- und Jugendtheater am LTT dafür entschieden, nicht eines seiner berühmten Dramen, sondern den Menschen Schiller selbst zum Thema zu machen, um darüber einem Publikum ab 14 Jahren begreiflich zu machen, wie er zum Schreiben kam und zu seinem Hauptthema der Freiheit nämlich aus der persönlichen Unfreiheit heraus. Regisseur Michael Miensopust, der seit dieser Spielzeit auch Leiter der jungen Sparte am LTT ist, hat dafür Peter-Paul Zahls über zwanzig Jahre alte Szenen-Collage auf die biografischen Spots auf den Zögling der Hohen Carlsschule und seine kurze Zeit danach bis zur Flucht aus Stuttgart eingegrenzt. Zahls Satire auf die posthume Beweihräucherung erscheint nur im ironischen Eingangsbild, das die berühmte Dichterstatue von Goethe und Schiller in Weimar nachstellt und ein wenig auf Kosten Goethes zu scherzen beliebt.

Cornelia Breys Bühnenbild in der auf den großen LTT-Saal zugeschnittenen Inszenierung besteht aus einer etwa meterhohen, nach hinten leicht ansteigenden Show-Plattform mit Scheinwerfer Leitern an allen vier Ecken und zwei Einschnitten: Eine für die Auftritte der Darsteller und eine für die »Kapelle«, die mit mehreren Instrumenten für zwei fabelhafte Musiker Heiner Kondschak und Christian Dähn bestückt ist. Es wird auch viel gesungen unter anderem neu arrangierte Songs von Bob Dylan und John Lennon , wobei sich das fünfköpfige Darstellerensemble meist guter Intonation befleißigt. Kondschaks zwischen Stimmungsmalerei und hartem Beat angesiedelte Musik vernachlässigt virtuos das 18. Jahrhundert (abgesehen von Beethovens Melodie für die Ode an die Freude), ebenso wie die nüchterne Bühne. Dafür finden sich in den Kostümen und den knuffigen Perücken jede Menge Anspielungen auf die Mode von damals. Am Auffälligsten sind natürlich die Fecht-Wämsen nachempfundenen »Uniformen« der Carlsschüler.

Ein Dichter unter Strom

In solch einem wattierten Habit, zu dem auch langes Beinkleid und hohe Schaftstiefel gehören, steht der zwischen Drill, erzwungenem Gehorsam und Schreib-Leidenschaft geradezu überkochende Fritz schnell unter Dampf. Der schwarzhaarige Caudio Schulz-Keune, der vom Typ her gar nichts mit dem rotblonden, stets als hässlich beschriebenen Schiller gemein hat, wird dennoch eins mit dem einerseits schüchternen und andererseits überschäumenden, von sich als Dichter überzeugten Jüngling. (Leider leidet unterm Sturm und Drang ein wenig seine Artikulation.) Seine furiosen, Veitstanz-ähnlichen Schreibattacken, befeuert von der Energie der Musikrhythmen, heben ihn ganz entschieden vom Normalmaß ab. Die Hitze dieser Schiller-Verkörperung bleibt am stärksten haften aus dieser Produktion.

Um sie herum gibt es zahlreiche, oft von Ironie bis zu offener Komödiantik getragene Szenen, die verdeutlichen, welche Blüten bis ins Privateste die Tyrannei des württembergischen Despoten trieb, und wie sich aus dieser Unterdrückung Schillers »Räuber« mit den wütenden Anklagen gegen die Zustände entwickelten. Die berühmten Zitate vom tintenklecksenden Jahrhundert, von der Schnürbrust oder von der Republik, gegen die Rom und Sparta Nonnenklöster sein sollen, erscheinen als unmittelbare persönliche Aussagen von Fritz und seinen Freunden. Andererseits wird auch auf die Diskrepanz zwischen seinem literarischen Pathos und der Wirklichkeit verwiesen, wenn er in höchsten Tönen seine Freundschaften besang oder seine Liebe zur edlen Laura, deren reales Vorbild dann in der Kittelschürze erscheint.

Spontanen Applaus erzielte die Umsetzung des Schul-Drills allein durch die am hinteren Bühnenrand emporragenden Hände. Außer dem Titelhelden-Darsteller hatten alle Mitwirkenden mehrere Rollen zu bewältigen. Rupert Hausner machte im langen Uniformmantel mit knappen Stockschlägen die Gefährlichkeit des Herzogs spürbar, Christian Beppo Peters und Marion Maucher waren unter anderem zackige Carlsschüler und Magdalena Flade verblüffte als Hurenleiche zum Sezieren durch den Medizinstudenten Fritz. Nach der Premiere am Freitag gab es begeisterten Beifall.

Monique Cantré, Reutlinger General-Anzeiger, 12. Oktober 2009


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