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Premiere
9. Oktober 2009

Peter-Paul Zahl

Fritz - A German Hero

250 Jahre Schiller


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12. Oktober 2009
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Die Leiden des jungen S.
Premiere am Landestheater Tübingen (LTT): "Fritz - A German Hero" von Peter-Paul Zahl

Sie nannten ihn Fritz: Die Jugendabteilung des LTT zeigt Peter-Paul Zahls Biographie-Collage über den jungen Schiller - zwischen dem Traum von Freiheit, dem Rausch der Dichtung und den Fesseln der Realität.

"75 Prozent dessen, was in seinem Leben passiert, ist reine Fiktion", sagte einst Trainer Glenn Hoddle über Skandalkicker Paul Gascoigne. Und vielleicht beschreibt dieser komplette Quatschsatz ja genau das Verhältnis zwischen Leben, Werk und Biographie-Dichtung von und über Friedrich Schiller. Er scheint trotz üppiger Quellenlage immer eine prima Projektionsfläche abzugeben. Wer war Schiller? Genie? Popstar? Rebell? Das hat sich auch der Schriftsteller Peter-Paul Zahl in den 80ern gefragt und den deutschen Hero ganz unverkrampft von seinem Weimarer Sockel herunter geholt, um ihm theatralisch den Weg zum "literarischen Revoluzzer" zu weisen. Aber so eindimensional revolutionsromantisch, wie man vielleicht annimmt, kommt "Fritz - A German Hero" dann doch nicht daher, schon gar nicht in Michael Miensopusts temperamentvoller Kinder- und Jugendtheater-Version, die einen sehr "hin- und hergerissenen" jungen Schiller zeigt. Zum 250. Geburtstag gestaltet sich diese kleine Einführung in Schillers Biographie außerdem allemal interessanter als eine dröge rororo-Monographie etwa, nicht nur für Schüler. Das KJT hat sie gemeinsam mit den jungen Schauspielern des Theaterspielclubs für den Abendspielplan aufbereitet, die den jugendlichen "Fritz" ganz authentisch mit einem kleinen Brainstorming zum Thema Freiheit auf die Bühne holen und später bei der "Räuber"-Uraufführung in Mannheim für ordentlich Rabbatz sorgen. Die LTT-Fassung konzentriert sich ganz auf Schillers Adoleszenz und lässt deshalb Zahls Vor- und Nachspiel weg. Da geht es um die bewegte Rezensionsgeschichte, die Schiller erst zu einem deutschen Hero gemacht hat, der aufgrund seiner konsensfähigen Ideale von jeder politischen Ecke problemlos für sich vereinnahmt werden konnte: "The Times They Are Changing", singt das bestens eingestellte Ensemble einfach zusammenfassend und meint damit auch die bewegte Zeiten, in die Schiller hineingeboren wurde, mit ihren geistesgeschichtlichen, politischen und technischen Revolutionen. Zwischen all den Wirren spielen sich die Leiden des jungen Schillers ab, und zwar auf der "Sklavenplantage" unter den gruseligen Fittichen von Herzog Carl Eugen. Die Regie setzt dabei ungehemmt stürmisch und drangvoll auf den Gegensatz zwischen militärischem Drill und Freiheitsdrang, zwischen einengender Wirklichkeit und dichterischem Rausch, zwischen Tyrannei und pathetischem Idealismus. Der Soundtrack von Heiner Kondschak und Christian Dähn übersetzt Schillers wilde Zerrissenheit in gefühlvollen Klang, und bildet mit diversen Hippierockzitaten so ganz nebenbei auch eine kleine Hommage an die Sturm- und Drang-Phase des 20. Jahrhunderts. Wie überhaupt jede Menge neckische Szenen für Unterhaltung sorgen: zum Beispiel, als die Eleven eine nicht ganz leblose Leiche sezieren oder ein zünftiger Schwabentrupp den exzessiven Lebensstil des jungen Regimentsarztes anprangert. Die militärische Zucht wiederum findet als putzige Hand-Choreographie statt. Ansonsten wird eifrigst gefochten und gedichtet: Bei Claudio Schulz-Keunes Schiller ein sehr körperlicher Akt aus Krampf und Ekstase, Qual und Orgie. Mit seinen Freunden Scharffenstein und Hoven bildet er einen geheimen, hemmungslos pathetischen Club der (toten) Dichter in Fecht-Schul-Uniform. Auch die Räuber sowie Schillers angedichtete Liebschaften dürfen mitspielen, und zwar auf einer schrägen Ebene (Ausstattung: Cornelia Brey), die mit ihren rechteckigen Löchern jede Menge Fallpotenzial aufweist und mit rot-weißen Baustellen-Bändern an den Rändern vor Grenzüberschreitungen in jeder Hinsicht warnt. Rupert Hausner spielt wieder mit sehr subtiler Grausamkeit den tyrannischen Landesvater, wie sich auch Christian Beppo Peters, Marion Maucher und Magdalena Flade in ihren verschiedenen Rollen als äußerst wandlungsfähig erweisen.

Kathrin Kipp, Reutlinger Nachrichten, 13. Oktober 2009


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