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Premiere
19. Februar 2010

Clemens Bechtel

"68"

Ein Tübinger Stadtprojekt an der Universität

Mit Tübinger ZeitzeugInnen, SchauspielerInnen des LTT und StudentInnen des Seminars für Allgemeine Rhetorik und des LTT-Labors – Spielclub für Studierende.


Übersicht

5. März 2010
Stuttgarter zeitung

22. Februar 2010
dpa

22. Februar 2010
Reutlinger Generalanzeiger

22. Februar 2010
Reutlinger Nachrichten

22. Februar 2010
Schwäbisches Tagblatt

22. Februar 2010
Schwarzwälder Bote


Das resignative Element
„68“ und die Folgen: Stimmen zum Theaterabend des LTT

Ein außergewöhnliches Theaterprojekt an einem besonderen Ort: „68“ bewegt die Gemüter. Wir fragten ein paar Premierengäste.

Wo, bitte, geht‘s hier zum Theater? Studierende beim Flashmob in der Wandelhalle der Neuen Aula, während des „68“-er-Stücks. Bild: LTT
Tübingen. Der ehemalige Uni-Rektor Eberhard Schaich fühlte sich „zwischendurch sehr genau an die Bedrohungssituation“ im Hörsaal erinnert, die den jungen Ordinarius Schaich allerdings 1970 mehr in Regensburg ereilte. Dort gab es die „Phase der Flegeljahre“, die Schaich erst politisierte, und mit der sein theologischer Kollege Josef Ratzinger dort offenbar besser klar kam als in Tübingen, das er ja fluchtartig verließ. Schaich räumt da gleich auch mit der Mär auf, die Studenten hätten Ratzinger vergrätzt: „Es war wohl mehr die inneruniversitäre Struktur und die mangelnde Kollegialität.“
Am „sehr anregenden“ Tübinger „68“er-Stück stimmt das „resignative Element“ den Ex-Rektor nachdenklich. In der heutigen Hochschullandschaft, in der alles schneller, kürzer, effektiver sein müsse, macht Schaich mit dem Stück sogar „Elemente zur Rückkehr der Prä-68er-Situation“ aus. „Es ist zu wenig zurückgeblieben“, bedauert er mit den studentischen Akteuren.
Die mitspielenden Kupferbau-Besetzer standen nach der Premiere einträchtig mit Rektor Bernd Engler und Prorektorin Stephanie Gropper ins Gespräch vertieft. „Ich würde das auch tun, wenn ich 30, 40 Jahre jünger wäre“, gesteht Engler auf TAGBLATT-Nachfrage. Ansonsten lobt er an dem „phantastisch gelungenen“ Theaterabend die unterschiedlichen Facetten und die „ständigen Perspektivwechsel“. Die resignative Richtung sah Engler weniger: Das beinhalte eher ein „Aber trotzdem“.
Der Lehrer Michael Kuckenburg, als befragter „Zeitzeuge“ selbst Teil des Theaterprojekts, sah es bei der Premiere „im Spannungsfeld von Kontinuität und Diskontinuität“. Ihm leuchteten die Szenen besonders ein, in denen sich Studenten und Autoritäten zuerst im Hörsaal und dann im Gerichtssaal behakeln. „Diese Mischung aus Aggression, Empörung und Selbstgefälligkeit, Selbstgerechtigkeit und Gerechtigkeitsgefühl – das ist spannend und direkt.“
Ein anderer „Zeitzeuge“, der Sozialberater Peter Langos, kritisierte (allerdings nach der Voraufführung) den Ansatz, Bernward Vespers Tagebuch-Roman „Die Reise“ so viel Platz einzuräumen: „Man schließt sofort, 68 in Tübingen ist die RAF.“

Wilhelm Triebold, Schwäbisches Tagblatt, 22. Februar 2010


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