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Premiere
19. Februar 2010

Clemens Bechtel

"68"

Ein Tübinger Stadtprojekt an der Universität

Mit Tübinger ZeitzeugInnen, SchauspielerInnen des LTT und StudentInnen des Seminars für Allgemeine Rhetorik und des LTT-Labors – Spielclub für Studierende.


Übersicht

5. März 2010
Stuttgarter zeitung

22. Februar 2010
dpa

22. Februar 2010
Reutlinger Generalanzeiger

22. Februar 2010
Reutlinger Nachrichten

22. Februar 2010
Schwäbisches Tagblatt

22. Februar 2010
Schwarzwälder Bote


Die 68er – irgendwie wieder aktuell
Premiere am Landestheater Tübingen fesselt mit Authentizität und Feingefühl

Tübingen. Es ist die hohe Authentizität des Gezeigten, dieses Verweben des damaligen Geschehens mit den aktuellen Protesten der Studenten um eine qualifizierte Lehre für alle, gegen Studiengebühren und für eine kritische Wissenschaft, die fesselt und zum Nachdenken anrührt.
Es sind diese Stärke der Sprache und die Intensität der Inszenierung, die zu einer höchsten Konzentration führen. Und es sind die passenden Ortswechsel zwischen Foyer, Festsaal und Audimax in der Neuen Aula sowie Clubhaus der Eberhard Karls Universität Tübingen, die trotz zweieinhalbstündiger Spielzeit ohne Pause die Aufführung kurzweilig gestalten.
»68« – ein Tübinger Stadtprojekt des Landestheaters Tübingen an der Universität von Clemens Bechtel, der auch Regie führt, feiert eine Premiere mit viel Feingefühl, räumlicher Präsenz und schönem schauspielerischem Ausschöpfen.
Diese Nähe an Originalschauplätzen eines wichtigen Kapitels Tübinger Stadtgeschichte entwickelt sich aus dem Zusammenspiel der LTTSchauspieler mit Schülern des Uhland-Gymnasiums, Studierenden der Eberhard Karls Universität und den eingeworfenen Aussagen verschiedener Zeitzeugen per Video.
Es ist ein ernsthaftes Nachforschen nach den Ursachen, was zu den Protesten der Studenten 1968 geführt hat, das korrespondiert mit den heutigen Forderungen der Studenten und die Zuschauer mitten hinein in die Abläufe nimmt, sie zum Teil der Aufführung werden lässt, mit dabei.

Konsequent und wohl konzipiert theatralisch umgesetzt

Es ist starkes politisches Theater, das in seiner Groteske und Ironie die Farce entlarvt, in seinen Wortschlachten zwischen Bernward Vesper und Gudrun Ensslin, die sich in Tübingen kennenlernten, aufzeigt, wie viel sich hier in der moralischen Dumpfheit der schwäbischen Provinz entschieden hat.
Diese prägnante, dokumentarische Recherche ist durchdacht, konsequent und wohl konzipiert theatralisch umgesetzt, lässt auch kritische Töne gegen die Bewegung nicht vermissen und zieht bei aller Ernüchterung ein leise hoffnungsvoll stimmendes Fazit: Gescheitert, was die großen Entwürfe angeht, aber nicht gescheitert, was den Alltag angeht.
Daraus schöpfen auch die heutigen Studenten Mut, Anlauf für eine neue Protestwelle zu nehmen – trotz Enttäuschungen: »Aber macht Euch keine Sorgen, wir schaffen das schon!«

Christoph Holbein, Schwarzwälder Bote, 22. Februar 2010


© Landestheater Tübingen