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Premiere
19. Februar 2010

Clemens Bechtel

"68"

Ein Tübinger Stadtprojekt an der Universität

Mit Tübinger ZeitzeugInnen, SchauspielerInnen des LTT und StudentInnen des Seminars für Allgemeine Rhetorik und des LTT-Labors – Spielclub für Studierende.

Inszenierung: Clemens Bechtel / Ausstattung: Sabina Moncys / Dramaturgie: Volker Schubert / Recherche: Inge Zeppenfeld/Katharina Rahn / Produktionsleitung: Bettina Vögle / Regieassistenz: Katharina Rahn / Inspizienz: Ralph Hönle / Soufflage: Bernhard Klasing
Mit: Raffaele Bonazza, Christian Dräger, Katja Gaudard, Britta Hübel, Bernhard Klasing, Nadia Migdal, Johannes Schön, Gotthard Sinn
Dauer: 135 min.


Der 1964 in Heidelberg geborene Regisseur und Journalist Clemens Bechtel hat vielfache Erfahrung im Bereich der dokumentarischen Recherche und ihrer theatralen Aufbereitung. So erarbeitete er im vergangenen Jahr in Mali ein Migrationsprojekt mit afrikanischen Schauspielern und am Potsdamer Hans Otto Theater mit 15 ehemaligen Häftlingen aus den Stasi-Gefängnissen der DDR das Projekt "Staats-Sicherheiten", das mit dem Berliner Friedrich-Luft-Preis 2008 ausgezeichnet wurde. Den Tübingern ist Clemens Bechtel unter anderem durch seine interaktiv angelegte Inszenierung THE PRISONER'S DILEMMA im neuen Landratsamt bekannt.


Tübingen – Sommer 2007: Über 10.000 BürgerInnen stellen sich aktiv gegen den braunen Aufmarsch von 230 „Jungen Nationaldemokraten“. Das bestätigt den Ruf der Neckar-Idylle, eine zwar kleine, aber äußerst widerstandskräftige Stadt zu sein, in deren äußerem Erscheinungsbild sich zudem mehr als anderenorts Relikte der „68“ gehalten haben. Ist das so? – 2008: Die medialen Gedenkaktivitäten anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der „68er“ wecken einerseits ein nostalgisches Fernweh nach selbst bestimmter Freiheit, andererseits wird der anti-autoritären Bewegung plötzlich die Schuld an nahezu allen Negativentwicklungen unserer heutigen Gesellschaft zugewiesen: Wertezerfall, Bildungsmisere, überzogenes Konsumdenken und einiges mehr ... Woraus speist sich diese neue Kontroverse um „68“? – Ende 2009: Studierende der Eberhard Karls Universität treten in einen Bildungsstreik und besetzen den Kupferbau. Welche Kraft kann ihr Widerstand entwickeln? – Diese Fragen bewegen das LTT dazu, in einem speziellen Stadtprojekt den Geschehnissen an der Tübinger Universität damals und heute nachzugehen: Das Audimax in der Neuen Aula bildete in den 60ern den Kulminationspunkt der diskursiven Auseinandersetzung mit hochschul- und allgemeinpolitischen Themen; der Geschwister-Scholl-Platz war Ausgangspunkt zahlreicher studentischer Demonstrationen; der offizielle Repräsentationsort des Uni-Rektorats, der Festsaal in der Neuen Aula, liegt nur einen Katzensprung entfernt – die Wilhelmstraße als „Graben“ dazwischen – von der genau gegenüber liegenden studentischen Zentrale, dem Clubhaus.

An diesen Orten lässt der Regisseur und Journalist Clemens Bechtel seine Stückcollage „68“ spielen, die von Tübinger 68er-Zeitzeugen, heutigen Schülern und Studierenden sowie von acht LTT-Schauspielern zum Leben erweckt wird. Als großer Bogen wird der Weg der Auflehnung gegen Autoritäten im Elternhaus, an der Universität und im Staat weiter gespannt: Wie stellte sich der Versuch der Kommunenbewegung dar, durch andere Lebens- und Arbeitsformen die eigene – autoritär geprägte – Persönlichkeit zu befreien und wie vollzog sich die Zersplitterung in einzelne politische Teilgruppen und die Radikalisierung zur gewaltsamen Aktion?


© Landestheater Tübingen