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Premiere
5. März 2010

Simon Stephens

Harper Regan

Deutsch von Barbara Christ
Zeitgenössische Dramatik


Übersicht

13. März 2010
Esslinger Zeitung

13. März 2010
Südwestpresse

9. März 2010
Reutlinger Nachrichten

8. März 2010
Schwarzwälder Bote

8. März 2010
Stuttgarter Nachrichten


Übers Quatschen und Schweigen

Sie reden viel, durchaus auch miteinander: die Menschen in "Harper Regan", dem Stück von Simon Stephens. Aber nur selten verstehen sie sich tatsächlich gegenseitig. Ihr Reden dient als Schutz vor dem, was eigentlich zu sagen wäre; die Worte, oft in asthmatisch-kurzen, telegrammstilartigen Dialogen verpackt, sind Abwehrmauer vor der Wahrheit, nach der die Protagonisten doch so verzweifelt suchen und die sie dennoch nicht wirklich hören wollen. Es ist der Wunsch nach Nähe, nach Verständnis, nach Geborgenheit. Und so entwickelt sich die Inszenierung am Landestheater Württemberg-Hohenzollern Tübingen Reutlingen (LTT) als eine intime, intensive Reise zum ich.
Regisseur Alexander Tull schenkt im beton-sterilen Bühnenbild von Vesna Hiltmann den trennscharfen gezeichneten und fein charakterisierten Figuren lange Szenen der Stille und Pausen. Das offenbart viel Energie zwischen den Akteuren, lässt Raum für skurril-komische und ironisch-humorvolle Momente und dokumentiert eine tiefe innere Stärke. Das Schweigen ist vielsagend ausgespielt, die Nuancen und wortlosen Passagen sind pointiert gesetzt. Und gleichzeitig treffen die Dialoge stringent.
Tull und seinem bestens aufgelegtem Ensemble – alle zeigen eine erfrischende, aufrichtige Interpretation ihrer Rollen – gelingt ein Kammerspiel schauspielerischer Intensität. Mit sensibler Hand führt die Inszenierung die Figuren durch ihre Gefühle und Beziehungen, filigran gewoben und zart gestrickt. Gerade die Sprachlosigkeit zwischen den Menschen trotz der vielen Worte ist fein beobachtet. Tull legt Wert auf die Stille, auf die Ruhe, arbeitet ohne Effekte und lässt dadurch den Zuschauer tief in die Seelenlage der Beteiligten hineinblicken. Er hat dabei auch ein Auge für die Details.

Selbst das Leeren eines Glases erhält Gewicht

Die Dialoge sind durchkomponiert, die Figuren akribisch ziseliert. Alles wird zelebriert und bis zum Anschlag ausgespielt; selbst das austrinken eines großen Glases Wasser erhält da dramaturgisches Gewicht – denn: "Die lähmenden Momente der Banalität, das war das Leben."
Das Stück "Harper Regan" am LTT besticht in den zwei Stunden Aufführungsdauer ohne Pause mit seinen austarierten und dennoch gefühlvollen Szenen, mutig verpackt in eine geradlinige und auslotende Inszenierung, die zu vermitteln weiß: "Das ist grauenhaft – nein, das ist bloß wahr!"

Christoph Holbein, Schwarzwälder Bote, 8. März 2010


© Landestheater Tübingen