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Premiere
27. November 2009

Ingrid Lausund

Konfetti!

Ein Zauberabend für politisch Verwirrte

Komödie


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Zerstreuung total:
Das LTT greift mit "Konfetti" tief in die Trickkiste, für einen satirischen "Zauberabend für politisch Verwirrte" und solche, dies noch werden wollen. Alles eine Frage der Ablenkung.

Christian (Dräger) ist verwirrt, verzweifelt, wütend und traurig zugleich: Er hat in der Zeitung gelesen, dass Energiesparlampen Energie sparen. Dann hat er woanders gelesen, dass die Energiesparlampen überhaupt nicht so lange halten, wie immer behauptet wird, dass sie zur Herstellung viel mehr Energie brauchen als herkömmliche Glühbirnen und dazu noch supergiftig sind, wenn sie kaputt gehen. Christian kauft sich deshalb so viele Glühbirnen, wie er bis zu seinem statistischen Lebensende benötigt. Braucht dafür jetzt aber eine neue Wohnung mit einem Extrazimmer für die Glühbirnen. Und dann hat er wieder Zeitung gelesen: Der allerneuste Energiesparschrei sind LED-Lampen. Also was jetzt?

Kein Wunder also, dass die von Politik, Medien, Gott und der Welt an der Nase herumgeführten Menschen orientierungslos, verdrossen und vor lauter Komplexität und politischer Korrektheit völlig paralysiert sind. Ingrid Lausund spricht ihnen mit ihrer Zaubershow aus der tief verunsicherten Seele. In den Short-Cuts geht es um die alte Frage: Was tun? Und: Was hilft? Sport? Therapie? Lachyoga? Motivationstraining? Fatalismus? Keine Zeitung mehr lesen? So karikieren die fünf Schauspieler, die für ihre leicht durchgeknallten Figuren ihre eigenen Namen behalten haben, in der von Marion Schneider-Bast inszenierten zauberhaften Politrevue aus trashigen Tricks und komplexen Widersprüchen die großangelegten Ablenkungsmanöver in Politik und Unterhaltungsmaschinerie und die davon völlig verängstigten Consumer.

Lausund findet dafür jede Menge absurde wie paradoxe Bilder, verdrehte Phrasen und Problemlagen. Das Stück von 2003 trifft den neurotischen Nerv der Zeit und ist außerdem für jede aktuelle, regionale und individuelle Besonderheit aufgeschlossen. Und macht sich mit viel Jux und Dollerei, Zauberei, Konfetti und jeder Menge Ablenkungsmanöver über unsere Spaßgesellschaft und die politischen Ablenkungsmanöver lustig. Eine Vorführung im doppelten Sinne also, in der die diagnostizierten Zustände mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden.

Über den Zuschauern bleibt das Licht an. Sie sollen sich gespiegelt wissen. Die Moralkeule hat allerdings längst ausgedient, denn man kann in den global vernetzten Zusammenhängen bekanntlich sowieso nur noch alles falsch machen. Oder alles richtig, so wie Ina (Fritsche), die vor lauter naiver Glückseligkeit ganz entrückt über die Vorteile adoptierter Kinder von nepalesischen Prostituierten referiert: Die hätten ja "im Mutterleib schon viel Liebe erfahren". So einfach geht positives Denken! Und so purzeln die fünf ganz normalen Psychos auf der Bühne von Vesna Hiltmann putzig verstört aus ihren Spinden, kullern aus der Auslegware und präsentieren mit viel Geplapper ihre Tricks, für die sie von Zauberer Jorgos Katsaros gecoacht wurden: Gießen Wasser in die Zeitung und streuen Salz in ihre Wunden, schwenken Tücher und Seile, und lassen jede Menge (Flokati-)Kaninchen übers Feld hoppeln: "Nicht jedes davon ist gefährlich, aber man sollte sie auch nicht pauschal verharmlosen!" Die großen Ohren seien ja offensichtlich "illegale Abhöranlagen". Theresa (Langer) macht sich als einsame Ruferin in der Wüste ernsthaft Sorgen über die Infantilisierung der Gesellschaft und den allgemeinen Vergnügungswahnsinn, während sie Johannes (Schön) mit Kaspereien sabotiert.

Keiner weiß mehr, um was es eigentlich geht. Es zählt nur noch der Funfaktor: Die Tübinger Uni wird wegen einer SWR 3-Party geräumt. Andererseits: Panik. In jeder Hochsteckfrisur könnte eine Bombe stecken. Britta (Hübel) wiederum spielt mit ihren Lebenszweifeln mithilfe kleiner Kästchen, die "Form und Inhalt" repräsentieren: Falsche Karriere? Falsche Familie? Falsche Visionen? "Die Welt ist der Trick", weiß Britta, die trotzdem "Ja" sagt zum Leben: "Ich liebe mich jetzt so, wie ich bin". Und kann deshalb frei zwischen Himbeer- und Heidelbeerjoghurt entscheiden.

Kathrin Kipp, Reutlinger Nachrichten, 30. November 2009


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