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Premiere
27. November 2009

Ingrid Lausund

Konfetti!

Ein Zauberabend für politisch Verwirrte

Komödie

Inszenierung: Marion Schneider-Bast / Ausstattung: Vesna Hiltmann / Dramaturgie: Simone Sterr/Inge Zeppenfeld / Zaubertricks: Jorgos Katsaros
Regieassistenz/Soufflage: Katharina Rahn / Inspizienz: Heike Bartenbach
Mit: Christian Dräger, Ina Fritsche, Britta Hübel, Theresa Langer, Johannes Schön
Dauer: 85 min.


Ingrid Lausund ist 1965 in Ingolstadt geboren und studierte Schauspiel und Regie an der Theaterakademie Spielstatt in Ulm. 2003 entstand KONFETTI! EIN ZAUBERABEND FÜR POLITISCH VERWIRRTE am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Mittlerweile lebt sie als freie Autorin und Regisseurin in Berlin.

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"Man glaubt ja immer die Welt ist der Trick und fragt sich wie der funktioniert."

Die oberste Regel eines jeden Zaubertricks lautet: „Die Aufmerksamkeit zur richtigen Zeit an den falschen Ort lenken.“ Und was für die Zauberei gilt, das funktioniert auch im richtigen Leben – in der Politik, in der Werbung, im Alltag: Während wir im Supermarkt fleißig Treuepunkte sammeln und sorgfältig die Haltbarkeit der „extended shelf life-Milch“, kurz ESL-Milch kontrollieren, werden andernorts die Laufzeiten für Atomkraftwerke verlängert; während wir uns über Gammelfleisch empören, werden Arbeitsplätze abgebaut; während wir uns über die Privatnutzung eines Dienstwagens echauffieren, bricht um uns herum der finanzielle Weltmarkt in sich zusammen.

Passiert das alles zufällig oder besteht ein geheimer Zusammenhang? Geschieht das alles als bewusste Manipulation oder wollen wir uns selber einfach zu gerne ablenken lassen? Was ist wirklich wichtig? Wir fühlen uns zunehmend in die Irre geleitet – und werden darüber irre, vermuten Bomben in Hochsteckfrisuren, wollen ein Haarshampoo für lockiges, glattes, sprödes, fettiges oder doch besser ganz normales Haar, fürchten gleichermaßen Klima-, Finanz-, Bildungs- und unsere eigene Lebenskrise, und verzweifeln, wenn es darum geht, wovon und womit man sich heute noch ablenken kann, darf oder soll ...
Fünf hysterische, paranoide, lethargische, sanguinische, neurotische, also ganz normale Zeitgenossen treffen in KONFETTI! aufeinander und veranstalten einen „Zauberabend für politisch Verwirrte“, so der Untertitel der Komödie, die 2003 am Hamburger Schauspielhaus ihre Uraufführung feierte. Mit konfetti-bunten Tücher- und Zeitungstricks kämpfen die Fünf gegen das Schwarzsehen in Gesellschaftsfragen an. Alles, was sie suchen, ist Ablenkung von ihrer „...“ – nur zu, sprechen wir es ruhig aus: Depression.
So treffen Zaubertricks, politische Diskussionen und private Panikattacken auf Debatten über die Grundsubstanz von Viagra, die Lauschangriffe mittels Kaninchenohren oder die soziale Verantwortung beim Pizzaessen. Eine Mischung aus Zaubershow, Politsatire und Therapiesitzung ist das humorvolle Ergebnis. Den Lachyogakurs kann man sich so mit einem KONFETTI-Besuch getrost sparen.

"Lausunds Spieler verwandeln den Zeitgenossenschaftshorror auf der Bühne in einen genau rhythmisierten und lässig raumbezogenen Krisenzirkus - irgendwo zwischen Loriot, gemäßigtem Helge Schneider und vielleicht noch Buster Keaton", schrieb die "taz" über KONFETTI! und unterstreicht die einzigartige Arbeitsweise der Autorin als Regisseurin der Uraufführung. Dieses Stück ist - wie alle ihre Stücke - gemeinsam mit den Schauspielern als Projektarbeit entstanden und Ingrid Lausund fordert explizit dazu auf, aktuelle Themen einzuarbeiten.


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