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Premiere
27. September 2009

A. L. Kennedy

Paradies

in einer Fassung von Jenke Holzhauer-Nordalm
Themenstück für die Studiobühne


Übersicht

7. Oktober 2009
Eßlinger Zeitung

7. Oktober 2009
Tagblatt Anzeiger

5. Oktober 2009
Schwarzwälder Bote

29. September 2009
Schwäbisches Tagblatt

28. September 2009
www.nachtkritik.de


Labyrinth abgestorbener Gefühle
Allison Louise Kennedys „Paradies“ und Aleksandr Vampilovs „Am Stadtrand“ am Landestheater Tübingen

Die diffusen Lebenskreise einer Alkoholikerin untersucht die schottische Comedy-Künstlerin und Starautorin Allison Louise Kennedy in ihrem Roman „Paradies“. Die Stuttgarter Regisseurin Jenke Nordalm hat eine Bühnenfassung des ebenso brillanten wie tiefgründigen Textes geschrieben, in der die Einsamkeit der Trinkerin zum Tragen kommt. Zum Spielzeitauftakt zeigt das Landestheater Tübingen (LTT) außerdem das Stück „Am Stadtrand“, das der russische Dichter Aleksandr Vampilov 1968 verfasste. Beide Texte spiegeln den Geist ihrer Zeit ganz unterschiedlich. Während Kennedy ins Innere einer gebrochenen Frau vordringt, verliert sich Vampilovs Komödie in trüben Klischees vom Osten während des Kalten Kriegs.

Im kleinen Spielraum des LTT hat Nordalm ihre Inszenierung von Kennedys Kammerspiel einer zerfallenden Seele eingerichtet. Auf der engen Bühne glückt ihr eine sehr tiefgründige Regiearbeit. Die Darstellerin Katja Gaudard begibt sich auf die schwierige Gratwanderung, eine junge Frau am Abgrund des Alkoholismus darzustellen. Rastlos treibt die drahtige Schauspielerin ihre Hannah Luckraft durch ein Labyrinth abgestorbener Gefühle. Sie taumelt durch eine Welt, in der kein Platz mehr für sie zu sein scheint. Trotzdem hat Gaudards Trinkerin noch eine fragile Leichtigkeit. Als ihre Gesichtshälfte gelähmt ist, verliert sie den Halt im eigenen Körper. Udo Rau schlüpft in die Rollen der Männer, an denen sie scheitert. Als wohlmeinender Daddy ist der Charakterschauspieler ebenso stark wie als Liebhaber, der seiner Schnapsdrossel überdrüssig wird. Ergreifend zeigt er das Sterben der Liebe. Stark legen die Schauspieler die emotionalen Schuttschichten bloß, durch die sich die Figuren in Kennedys Roman beharrlich graben. Die 1965 geborene Autorin, die sich mit dunkler Stand-Up-Comedy einen Namen gemacht hat, dringt unerbittlich zum Wesentlichen vor. Detailverliebtheit, die ihren rasanten Erzählstil manchmal bremst, strafft Nordalm in ihrer Regie. Das macht sie so überzeugend. Jelena Nagornis offenen Bühnenraum verwandeln Gaudard und Rau zunehmend in ein Gefängnis. Die klaustrophobische Angst der Säuferin wird so erfahrbar. Nordalms expressiver Regiestil fordert das Publikum heraus, konfrontiert es mit herben seelischen Kämpfen.(...)

Elisabeth Maier, Eßlinger Zeitung, 7. Oktober 2009


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