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Premiere
27. September 2009

A. L. Kennedy

Paradies

in einer Fassung von Jenke Holzhauer-Nordalm
Themenstück für die Studiobühne


Übersicht

7. Oktober 2009
Eßlinger Zeitung

7. Oktober 2009
Tagblatt Anzeiger

5. Oktober 2009
Schwarzwälder Bote

29. September 2009
Schwäbisches Tagblatt

28. September 2009
www.nachtkritik.de


Vertuschung bleibt ohne Chance
»Paradies« am Landestheater in Tübingen: starke schauspielerische Leistung

Tübingen. Im allzu oft auf oberflächliche Unterhaltung getrimmten Kulturgetriebe gehört Mut dazu, das Publikum mit menschlichen Tragödien und Abgründen zu konfrontieren und das fast zwei Stunden lang am Stück. Das Landestheater Württemberg Hohenzollern Tübingen Reutlingen (LTT) hat diesen Mut. Und das in dreierlei Hinsicht. Theaterpolitischen und dramaturgischen Mut, das Stück »Paradies« nach dem Roman von A. L. Kennedy in einer Theaterfassung von Jenke Nordalm auf den Spielplan zu setzen und sich damit eines Themas anzunehmen, das die Betroffenen und die Gesellschaft am liebsten totschweigen: Alkoholismus. »Paradies« reißt schonungslos und brutal diesen Schleier des Vertuschens, Beschönigens und Lügens von der oft unmenschlichen Fratze dieser krankhaften Abhängigkeit. Grenzen werden ausgelotet und brutal überschritten Inszenatorischen Mut, mit intensiven und drastischen Bildern zu arbeiten, dabei auch Sauerei und Schlachtfeld auf der Bühne zu präsentieren und die Protagonisten auf glitschig Erbrochenem eine Eiskunstlauf- Einlage hinlegen zu lassen. Hässlichkeit und Ekelhaftigkeit mischt Regisseurin Jenke Nordalm mit fein pointiertem Witz. Slapstick verbindet sie mit sarkastischen und ironischen, mitunter zynischen Momenten und entwickelt damit ein Kammerspiel der Gefühle und Stimmungsexplosionen. Auf der Bühne entfaltet sich ein starkes theatralisches Spiel mit enormer äußerer, aber auch tiefer innerer Dynamik, das Grenzen nicht nur sensibel beobachtet auslotet, sondern kompromisslos überschreitet. Jelena Nagorni, die auch für die Kostüme verantwortlich zeichnet, schafft mit der fahrbaren Theke immer wieder neue Räume Schauspielerischen Mut, sich schutzlos ausgeliefert mit seiner körperlichen und seelischen Nacktheit alles abzuverlangen bis hinein in die feinsten Gefühlsverästelungen. Da ziseliert Katja Gaudard ein intensives Mienenspiel, zelebriert die Sprache und lebt die Pausen feinfühlig punktgenau aus. Im Duett mit Udo Rau, der mit seiner Intensität mehr als nur ein guter Stichwortgeber, sondern vielmehr ein kongenialer Partner ist, reizt sie ihre darstellerischen
Fähigkeiten aus.
Die Stimmungswechsel, die Tempi, die Zäsuren, die Bewegungen – alles ist mutig gesetzt und hält die Spannung.

Christoph Holbein, Schwarzwälder Bote, 5. Oktober 2009


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