Wir sind umgezogen! Hier gehts zur neuen Homepage des LTT

FotoFotoFotoFotoFotoFotoFoto

Premiere
8. Mai 2009

Petr Zelenka

Schrottengel

Geschichten vom alltäglichen Wahnsinn


Übersicht

12. Mai 2009
Reutlinger Generalanzeiger

12. Mai 2009
Reutlinger Nachrichten

11. Mai 2009
Schwäbisches Tagblatt


Böhmisches Bier
"Schrottengel. Geschichten vom alltäglichen Wahnsinn", inszeniert von Ralf Siebelt, in der LTT-Werkstatt. Wenn der liebe Gott eine Schaufensterpuppe schickt

Mücke ist glücklich, denn endlich hat Gott ihm einen wirklichen Engel gesandt. Bislang waren's nur Schrottengel. Der neue Engel ist aus Plastik und hat langes blondes Kunsthaar, er ist nämlich eine Schaufensterpuppe und heißt Eva (Katalyn Bohn). [...]
Ralf Siebelts Inszenierung des tschechischen Komödienknüllers »Schrottengel« von Petr Zelenka hätte etwas mehr Tempo gebraucht, um perfekt zu sein. Aber auch so ist es ein Theatervergnügen sondergleichen, das auf der von Hannah Landes trashig und mit Fließband ausgestatteten Werkstattbühne mit über einem Dutzend schrägen Typen konfrontiert, die auf ihre Art virtuos mit dem Leben umgehen. Die »Geschichten vom alltäglichen Wahnsinn« - so der Untertitel - wurden nach der Premiere zu Recht ausgiebig beklatscht.
Der »Held« des Stückes ist Petr, der Freund Mückes, der sich im letzten Akt Evas besonderem Puppen-Charme ebenfalls nicht entziehen kann [...]
Danny Exnar spielt diesen Petr grandios: dem so naiv in die Welt blickenden Kerl kann kein Mensch böse sein. Raffiniert unauffällig in seinem abgefahrenen Sexualleben und seinen verqueren Ideen wird Mücke von Raffaele Bonazza dargestellt.

Um diese beiden Freunde schart sich in losen szenischen Verbindungen ein Raritätenkabinett von Charakteren, die von absurden Ereignissen oder Gedankenblitzen überrumpelt werden. Der surreale tschechische Humor zeigt hier das moderne Gesicht einer sexualisierten Gesellschaft. Das kommt in der Übersetzung von Eva Profousová unterhaltsam mit lakonischem Sprachwitz daher. So lebt Petr gegenwärtig vom Honorar fürs Zuschauen beim Sex seiner Nachbarn (Karlheinz Schmitt und Julienne Pfeil). Karlheinz Schmitt mit Pausbackenmaske ist außerdem ein sanfter Chef und passiver Pädophiler. Da fällt Petrs der Demenz zutaumelnder Vater (Gotthard Sinn) [...] in platonische Liebe zur Bildhauerin Sylvie (Katja Gaudard)[...]. Petrs Mama (Hildegard Maier) erpresst von ihrem Sohn als Zeichen seiner Mutterliebe, dass er ihr Blut abnimmt für die Opfer in Tschetschenien.
Petrs mit dem prolligen Zufallsopfer Ale (Johannes Schön) untreu gewordene Verlobte Jana (Veronika Avraham) gesteht, dass sie One-Night-Stands sammelte, und irgendwann fällt eine Balletttänzerin im weißen Tutu (Claudia Albrecht) vom Stuhl. Alles beknackt, aber keinesfalls unsympathisch!

Monique Cantré, Reutlinger Generalanzeiger, 12. Mai 2009


© Landestheater Tübingen