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Premiere
28. November 2008

Georg Büchner

Leonce und Lena

Ein Lustspiel


Übersicht

25. April 2009
Augsburger Allgemeine

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1. Dezember 2008
Reutlinger Generalanzeiger

1. Dezember 2008
Schwäbisches Tagblatt


Grenzgänger und Kellergeister
Das Tübinger Landestheater lotet mal wieder den ganzen "Spiel-Raum des Lebens" aus, wie ihn Bundespräsident Horst Köhler (am Samstag bei der Stuttgarter Theaterpreisverleihung "Faust") auf allen Bühnen entdeckt. Also: Mit Büchner in Teufels Küche und tags darauf mit einem LTT-Experiment untertage: Zwei Premieren an einem Wochenende.

Zuerst gibt's gehörig was auf die Ohren. Das LTT-Personal hat vorsorglich Stöpsel für sensible Lauscher ausgeteilt, denn es könnte etwas lauter werden, heißt es besorgt. Tatsächlich sind die Königskinder und ihre Entourage aus den märchenhaften Kleinstaaten Popo und Pipi, die im wabernden Trockennebel auf der Werkstattbühne ihre Show abziehen, eindeutig Anhänger eines gruftig lärmenden Gothic Rock. Genauer: Finstere Wiedergänger von Vorzeige-Gangs wie Ghost Bitch und Bauhaus. Büchner als Postpunker - diese Aussicht für die nächsten zweieinhalb Stunden entlockt dem Meta-Kritiker Reinhard Schulte, gleich rechtsaußen in der dritten Reihe der LTT-Werkstatt, ein missbilligend knarzendes "Na!".
Na - ganz so schlimm kommt es dann doch nicht. Nur folgt mit "Leonce und Lena" ein Theaterereignis, das für die "Faust"-Preisstafette in der Stuttgarter Oper (siehe das überregionale Feuilleton) nun allerhöchstens in der Kindertheater-Sparte nominiert worden wäre. Das aber Tübingens die so oft mehr hin- als hergerissenes Premierenpublikum beinahe zur bambihaft kollektiven "Standing Ovation" brachte.
Dabei entpuppt sich Stefan Rogges Tübinger "Leonce-und-Lena"-Einrichtung auf Malte Lübbens Richtplatz- oder Laufsteg-Bühne als der fruchtlose Versuch, einem der wenigen sprachgewitzten Lustspiele, die hierzulande diesen Namen auch verdienen, die bunte Narrenjacke neu anzupassen. Des Königs neue Gebrauchs-Kleider: Eng und schnittig sollen sie anliegen und - so scheint es dem Tübinger Regie-Gast vorzuschweben - ihre Träger, ob Blaublüter oder gemeines Volk, gleichermaßen aggressiv und lustig wirken lassen.
Oder, wie der Regisseur Rogge im LTT-Hausmagazin meint: "Natürlich nehmen wir genug Humor, Kasperle-Energie und Musik mit, um über den ganzen Scheiß, der unsere Menschlichkeit bedroht, auch zu lachen."
[...]

Wilhelm Triebold, Schwäbisches Tagblatt, 1. Dezember 2008


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