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Premiere
22. Februar 2008

Anton Tschechow

Der Waldschrat


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25. Februar 2008
Stuttgarter Nachrichten


Zukunftsträume und Grillwurst vom Pappteller
Zwei Neuproduktionen lohnen einmal mehr den Besuch im Landestheater Tübingen: Anton Tschechows "Der Waldschrat" und die Uräufführung von Claudia Grehns "Heimlich bestialisch - I Can Wait to Love in Heaven" feierten dort kurz nacheinander Premiere.

Hausregisseur Ralf Siebelt inszenierte seine Fassung der frühen, nur selten gespielten Komödie "Der Waldschrat" als aktuelle Bühnenstudie über versäumtes Leben. Mit feinem Gespür für den Wortwitz der geschliffenen Dialoge zitiert er Tschechows zwölfköpfiges Personal zur Geburtstagsparty in der Provinz - und entdeckt dabei Menschen im tragikomischen Schwebezustand zwischen dem Gestern und Heute.
Ihr einstiger Wohlstand ist augenscheinlich Vergangenheit. Eine Wand aus buntem Papierflitter verdeckt den Blick auf eine undurchsichtige, mit Klebestreifen notdürftig zusammengehaltene Glaswand - die brüchige Fassade einer Gesellschaft ohne Zukunft. Auf Kunstrasen sind billige Gartenstühle aus dem Supermarkt verteilt (Bühne: Marion Eiselé). Man diniert mit gespreizter Etikette vom Pappteller Grillwürstchen aus dem Glas.
Mit genau getimtem Auf und Ab zwischen lähmender Stille und manieriertem emotionalem Ausbruch beobachten Regisseur Siebelt und sein ausgezeichnet harmonierendes Ensemble, wie Tschechows Figuren am Tropf von Wodka und Likör im Dumpfsinn ihres Daseins rotieren. Ihre Zukunftsängste verdrängen sie, indem sie sich ständig gegenseitig mit Hohn und Spott überziehen, in künstliches Gelächter ausbrechen oder sich mit exaltierten Liebesschwüren aneinanderklammern.
Das genau kalkulierte Gesellschaftsspiel beherrschen zwei Darsteller besonders gut: Udo Rau als Gutsverwalter Vojnickij, ein an den eigenen Ansprüchen gescheiterter Zyniker, und Wenzel Banneyer als Fedor Orlovskij, ein selbst ernannter Womanizer mit weichem Kern hinter dem lauten Primitivo.

Stuttgarter Nachrichten, 25. Februar 2008


© Landestheater Tübingen