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Premiere
22. Februar 2008

Anton Tschechow

Der Waldschrat


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Party mit Schuss
Tschechows »Waldschrat« am LTT

Nicht »Drei Schwestern«, »Die Möwe« oder »Der Kirschgarten« sollte es sein - am Landestheater Tübingen (LTT) wurde richtig tief in der Werkkiste gegraben und ein wenig gespieltes Frühwerk von Anton Tschechow wieder ans Licht gezogen: »Der Waldschrat«. Regisseur Ralf Siebelt hat die Komödie für die LTT-Aufführung neu bearbeitet, legte dabei die deutsche Übersetzung von Peter Urban zugrunde. Zu sehen war am Freitagabend bei der Premiere ein pfiffig inszeniertes Stück, das mit verhalten-freundlichem Applaus von einem amüsierten Publikum bedacht wurde.
Die tragische Komödie glänzt durch Handlungsarmut, kehrt dafür wunderbar die Stimmung im Moment heraus, zeichnet skizzenhaft das abgebildete Milieu nach. Letztlich geht es Tschechow spürbar nicht um das Komische sondern ums Leid und die innere Verlassenheit. Am Schluss werden sich zwar zwei Paare turbulent und gefeiert finden - der um sein Leben betrogene Egor (Udo Rau) schießt sich aber zuvor in den Kopf.
Bereits die nette Gartenparty-Sequenz auf Kunstrasen vor Luftschlangen (Bühnenbild von Marion Eiselé) zu Beginn lässt die große Langeweile auf dem Lande erahnen, die sich mit einer latenten Angst mischt. Mitten beim Feiern wird sogar ein Lebensüberdruss entlarvt. Bei Würstchen und Wodka plätschern belanglose Plaudereien dahin, die allein durch die typisierten Figuren leben.

Alles scheint wie gelähmt
Da ist der Draufgänger und Frauenheld Fedor (Wenzel Banneyer), der immer breitbeinig dasitzt, säuft und Sprüche klopft. Auch der alternde Professor Aleksandr (Hubert Harzer), der ein labyrinthartiges Gut mit 26 Zimmern bewohnt, gefällt mit seiner Manieriertheit. Die schöne Elena (Ina Fritsche), seine Frau, muss den Hypochonder und Egomanen ertragen. Der Waldschrat (Leif Stawski), ein Arzt, der sich rarmacht, interessiert sich erst mehr für das Wohl des Waldes, der von der Abholzung bedroht ist. Dass Sofia (Annabelle Leip), die Tochter des Professors, für ihn schmachtet, bleibt zunächst unbedeutend.
Das Stück wird auf der Bühne in einen gelb leuchtenden Rahmen gefasst. Die ewige Sauferei, das Fressen oder Dinieren ziehen sich als roter Faden hindurch. Die Zeit und ihre Lebensumstände scheinen alle Figuren zu lähmen. Was gefällt, sind die Bonmots und knackig formulierten Erkenntnisse. »Die Natur duldet keine Leere«, weiß etwa der Professor.
So erfreut sich das Auge am Spiel der schrägen Figuren und ihrem infantilen Treiben. Besonders das »Waffelgesicht« Ilja (Karlheinz Schmitt) entzückt mit seinem Wesen und seiner blumigen Sprache. Der Waldschrat verblüfft als früher Ökopionier und Visionär. Das Geschehen nimmt seinen bis auf den Selbstmord unspektakulären Lauf und die zweieinhalb Stunden werden durch überbordende Emotionen nicht allzu langatmig.

Reutlinger General-Anzeiger, 25. Februar 2008


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