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Deutsche Erstaufführung
3. Oktober 2006

Simon Stephens

Am Strand der weiten Welt

Deutsch von Barbara Christ


Übersicht

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Schwarzwälder Bote

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Stuttgarter Zeitung

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Reutlinger General-Anzeiger

5. Oktober 2006
Reutlinger Nachrichten

5. Oktober 2006
Schwäbisches Tagblatt


Familie Normalo aus England
Deutsche Erstaufführung des Stücks AM STRAND DER WEITEN WELT von Simon Stephens am Landestheater

Familie als Thema, das dürfte nicht nur Politiker, die über Elterngeld und Kinderkrippenplätzen brüten, interessieren. Schließlich ist jeder irgendwie betroffen. Im LTT bestimmte das Thema den Start in die neue Spielzeit: Am Abend des Tags der deutschen Einheit hatte im großen Saal die deutsche Erstaufführung des englischen Familienstückes AM STRAND DER WEITEN WELT Premiere. Der 35-jährige Autor Simon Stephens schreitet darin durch einen biografisch gefärbten Episoden-Parcours, in dem drei Generationen mit ihrem ereignislosen Dasein und mit ihren Beziehungen hadern und nichts daraus lernen.
(?) Die Inszenierung von Enrico Lübbe verzichtet auf ein Bühnenbild und spielt auf einem kahlen Podest unter drei Scheinwerfer-Batterien. In einer Art Brecht'scher Anordnung sitzen die Akteure um die Spielfläche herum und betrachten interessiert die meist von zwei Figuren bewältigten Szenen. Zwei Tische und ein Stapel Plastikstühle werden dazu in unterschiedliche Positionen gebracht. Zwischen den Dialogen wird zu kurzer Pausenmusik das Licht gedimmt.

Gute Schauspieler
Solch eine schmucklose Kulisse und gleichförmige Dramaturgie verlangt große Energie im Schauspiel. Und darin liegt zweifellos die Stärke dieser Produktion. Die Darstellerleistungen sind durch die Bank gut. Präzise sind in den kurzen Spots die Beziehungen ausgeleuchtet. Und da geht es auch mal unter die Haut, wenn sich zum Beispiel Peinlichkeiten oder Emotionen oder Erotik aufbauen. Aber dann, wird's auch schon wieder dunkel, und es werden wieder Stühle herumgetragen...
Subtil verschroben stellen Hildegard Maier und Gotthard Sinn das Großelternpaar Ellen und Charlie Holmes dar, wenngleich der Alkoholiker Charlie viel zu nett gezeichnet ist. Ulrike Euen und Marius Marx haben es als farblose "Normalos" Alice und Peter Holmes bedeutend schwerer und sind dennoch nachvollziehbare Charaktere. Ihre Außenbeziehungen sind sensibel inszeniert: Der Handwerksmeister Peter fühlt sich zu einer einsamen schwangeren Kundin, der Intellektuellen Susan (lna Fritsche), hingezogen, und Alice findet intensiven Kontakt zu dem attraktiven Unfallfahrer John (Leif Stawski).
Frisch und entwaffnend offen ist Daniela Keckeis als Sarah, die vom etwas gehemmten (Mutter-)Sohn Alex (Johannes Lehmann) in die Familie Holmes eingeführt wird. Sarah riskiert gerne eine flotte Lippe, erweist sich aber trotzdem als artiges Mädchen. Und schließlich gibt es noch zwei gut getroffene Typenzeichnungen durch Johannes Schön als Christopher Holmes und Wenzel Banneyer als überdrehten Drogenfreund Paul.

Reutlinger General-Anzeiger, 5. Oktober 2006


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