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David Edgar

The Prisoner's Dilemma

Aus dem Englischen von Lida Winiewicz


Übersicht

6. April 2006
Esslinger Zeitung

28. März 2006
Reutlinger General-Anzeiger

27. März 2006
Reutlinger Nachrichten

26. März 2006
Stuttgarter Nachrichten


Karkasien und Drosdanien sind überall
Das neue Landratsamt als Spielstätte

Das neue Stück zeigt Konflikte und Bilder eines Bürgerkriegs. Und bezieht dabei das Kalkül der zuschauer mit ein. Als Spielort wurde erstmals das neue Landratsamt zweckentfremdet.

Theater ist Spiel - spielen durften bei der Tübinger Inszenierung von "The Prisoner's Dilemma" auch die Zuschauer. [...] Neben der Überprüfung eigener strategischer Fähigkeiten wartet die LTT-Inszenierung mit einer weiteren Eigenheit auf. Zwar ist die Idee, dass Zuschauer gemeinsam mit den Schauspielern an wechselnde Orte ziehen, nicht neu, bei "The Prisoner's Dilemma" wird dies aber auch sinnbildlich genutzt.
Die Ortswechsel verdeutlichen Perspektivenwechsel: In den Fraktionsräumen mutieren die Zuschauer zu Touristen, denen unter Aufsicht die Sehenswürdigkeiten des Landes gezeigt werden. Und der Plenarsaal des Landratsamtes wird zum Ort internationaler Vertragsverhandlungen umfunktioniert.
Bespielt das Ensemble einen Raum mehrmals, so kommt der Perspektivenwechsel durch andere Mittel zustande: Die Zuschauer werden anders platziert.
Aprpos Blickwinkel: In der Szene, die primär die Situation einer Hilfsorganisation zeigt, sitzen die Zuschauer im verglasten Empfangsbereich. So spiegelt sich die Handlung nicht nur in den Wandscheiben, sondern auch im Glasdach. Ein Blick nach oben, und schon erscheint die Szenerie auf andere Art und Weise. Ein Vorgang, mehrere Ansichten. Perspektiven stehen im Mittelpunkt. [...]
Die Aufführung überzeugt in erster dadurch, dass sie unterschiedliche Einstellungen, Überzeugungen und Gefühle der Beteiligten durch die Einbeziehung in die Spielhandlung direkt erlebbar macht. So offenbart sich nicht nur die Komplexität eines solchen Konflikts, sondern es entsteht Verständnis für zwei polare Haltungen. [...]
Entscheiden muss sich auch Publikum, bevor das stück die abschließenden vertragsverhandlungen zeigt. Vier Optionen, vier Urnen. Im Ensemble überzeugen besonders Annabelle Leip als rebellische Anführerin der ethnischen Minderheiten und Leif Stawski, der einen Verleger auf der Gegenseite spielt: Mal kühl und glatt, glänzt er in der Schluss-Szene, in der er viel Zerrissenheit spüren lässt.

Reutlinger Nachrichten, 27. März 2006


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