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Spiel ohne Grenzen Spezial

Der Schönste Abend deines Lebens/ Schichtwechsel /

Im Rahmen der 2. Tübinger Kulturnacht


InhaltPresse

23. Januar 2006
Schwäbisches Tagblatt


Offene Bühne im Foyer des Landestheaters

Es war eine Live-Premiere, nichts war geprobt. Am Samstagabend stieg im LTT-Foyer zum ersten Mal das "Spiel ohne Grenzen": Eine Talentshow - offen für alle, die schon immer auf die Bühne wollten, frei für Kleinkunst, Improvisation und Experimente. Die erste Ausgabe wurde weitgehend vom hauseigenen Ensemble bestritten. Das soll sich ändern, wenn sich die Reihe etabliert.

So eine ungewohnte neue Reihe könnte ja Unsicherheit beim Publikum erzeugen. Daher stand für Fragen - frei nach TV-Komiker Markus Maria Profitlich - der Erklärbär (Anne Schäfer mit Maske und Anorak) zur Verfügung. Den Abend über strolchte er auskunftswillig durchs Publikum - gegen ein Glas Bier, versteht sich! Denn der recht schmusefreudige Info-Bär suchte Anschluss.
Eine Bar verwandelte das Foyer in eine Lounge. Gleich das erste "Spiel ohne Grenzen" stieß auf großes Interesse. Über 150 Zuschauer, darunter viele Schüler und Studenten, saßen dicht gedrängt in gespannter Erwartung und Partystimmung. Zahlreiche Fans der Tübinger Newcomerband "Moleskyne" waren erschienen, um Thomas Hirsch, Simon Miko, Frank Bender bei ihrem Auftritt zu unterstützen: Tosenden Beifall ernteten sie für selbst geschriebene Songs zur unplugged-Gitarre, nachzuhören auf ihrer ersten CD "sunrise ep". Neben Moleskyne war Unidozent Diedrich Dannheim der einzige LTT-fremde Pionier auf der Offenen Bühne. In drei Gedichten von Wilhelm Busch schlüpfte er mit grandiosem Talent zur Komödie in die Rolle der bigotten Mamsell Schmöhlke oder gab drei boshafte alte Tanten.
Moderator Wenzel Banneyer kündigte gleich zu Beginn einen Überraschungsgast an: Regieassistent Alexander Wenz gab einen täuschend echten, crazy kreischenden Küblböck. Für seine tuntig schrille Choreographie holte er "drei schöne männliche Exemplare" aus dem Publikum, dann wurde fleißig einstudiert - unter begeistertem Gelächter der übrigen Zuschauer. Und sofort weiter ging es mit der Medienparodie: Banneyer fragte "Wer wird Müllionär?" Zuschauer Benjamin beantwortete alle Fragen ökologisch korrekt: "Wie wird ein Teebeutel fachgerecht entsorgt?" "Gehören gebrauchte Kondome - selbstverständlich-ausgespült - in den Gelben Sack?" Samt gewonnenem Theatergutschein wurde Benjamin vom Erklärbär abgeschleppt in Richtung Bar.
Mit blonden Heidi-Zöpfen und Schürze überraschte der Schweizer LTT-Schauspieler Romeo Meyer durch frappierende Jodelkünste. In Auto-Playback sang er zweistimmig Schweizer Volkslieder, dazu gab es Käsesticks und Ricola- Bonbons.
Zumal beim jüngeren Publikum kam die Mischung aus Performance-Klamauk und Standup-Comedy sehr gut an. Aber auch wer sich vom grenzenlosen Spiel bissig-politisches Kabarett erwartet hatte, ging nicht leer aus: Gotthard Sinn präsentierte einen Ausschnitt aus seinem neuen Programm. Als Viktor von Böse, von der "Landesheilanstalt für Arbeit", orientierte er sich am chinesischen Erfolgsrezept - seien es Tischsitten oder das Alphabet des Lächelns.
Mal war das Publikum gefordert, wie beim grölstarken "WM-Massenhörspiel", das zusammen mit dem SWR-Kulturredakteur Thomas Vogel produziert wurde, dann wieder konnte man sich zurücklehnen und Banneyers Lehrfilm "Wenzel erklärt Euch die Welt" genießen. Im pädagogisch-betulichen "Sendung mit der Maus"-Tonfall wurde von Wenzel erzählt, der an die Uni will, weil man da so toll "Scheine machen" kann! Aber, er wird schwer enttäuscht: Ein "Hörsaal" ist gar keine Disco und "PS II" kein angesagter Szene-Club, sondern ein stinklangweiliges Proseminar! Bei den trashigen Trickfilmsequenzen bog sich das Publikum vor Lachen.
Auch Intendantin Simone Sterr stand nicht zurück. Mit Katja Bramm, Ina Fritsche und Annabelle Leip formierte sie die Girlband "Die peinlichen Drei + Eins", die schon am Aalener Theater Lach-Erfolge gefeiert hat. Von wegen Unschuldsmiene: Als Schlampen gaben die den Annett Louisan-Hit "Ich will doch nur spielen, ich tu doch nix". Die LachmuskeIn der Zuschauer wurden besonders strapaziert durch eine herrlich albern-infantile Fünf-Minuten-Version von Kleists "Käthchen von Heilbronn", die Sterr und Dramaturgin Anna Haas mit Duplo-Figuren auf einem Kasperltheater spielten. Im Anschluss an die Impro-Revue wurden Tische und Stühle zur Seite geschafft, dann heizten im Foyer Mathias Pröllochs und Band ein.

Schwäbisches Tagblatt, 23. Januar 2006


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