Wir sind umgezogen! Hier gehts zur neuen Homepage des LTT

FotoFotoFotoFotoFotoFotoFoto

Uraufführung
24. September 2010

Michael Miensopust / Helge Thun

Jetzt mal im Ernst

Theater-Comedy-Solo

Die Premiere wird in der Geschwister-Scholl-Schule Tübingen stattfinden!

Spielorte: Turnhallen, Schulaulen, Theatersäle u. a.

ab 13 Jahren


Übersicht

2. Oktober 2010
Reutlinger Nachrichten

27. September 2010
Reutlinger General-Anzeiger

27. September 2010
Schwäbisches Tagblatt


Pickel, Parties und Probleme
Im neuen Jugendstück ab 13 plappert Stefanie Klimkait als Comedy-Girl über Liebe, Pubertät und Shakespeare. "Jetzt mal im Ernst" heißt die mobile LTT-Produktion, die auch außerhalb des Theaters touren soll.

"Verliebte und Verrückte sind beide von so brausendem Gehirn, so bildungsreicher Phantasie, die wahrnimmt, was nie die kühlere Vernunft begreift." Was Shakespeare da seinem Theseus in den Mund legt, gilt wohl auch für Pubertierende. Und um die geht es in "Jetzt mal im Ernst". Mit der Uraufführung geht das Tübinger Kinder- und Jugendtheater (KJT) genau dahin, wos wehtut und wo sich der wirkliche Ernst des Lebens abspielt: in die Turnhalle. So türmen sich bei der Premiere in der Sporthalle der Geschwister-Scholl-Schule ungefähr sieben Klassen Siebtklässler auf den Bänken, Matten und Sprungkästen: Kreisch. Lach. Kicher. Schrei.

Michael Miensopust und Helge Thun haben gemeinsam mit der Darstellerin Stefanie Klimkait und ein paar Schülern eine quirlige One-Woman-Show entwickelt: eine Mischung aus Standup-Comedy, Erzählstück und Theatermonolog mit relativ unverbrauchten Pointen. Und so spielt Stefanie Klimkait eine aufgeregte Schauspielerin, die in ihrem grünen Adidas-Jäckchen auf einer leeren Bühne steht und auf ihr Bühnenbild samt Techniker wartet, die im Stau stehen: "Scheiße gelaufen." Aber weil grad zufällig ein Publikum da ist, labert sie einfach mal drauf los.

Ganz spontan erzählt sie von ihren Hobbys oder dem Stück, das sie gerade probt: Shakespeares "Sommernachtstraum", ein Klassiker, in dem es ja liebestechnisch mindestens genauso drüber und drunter geht wie in der Pubertät, weshalb Steffi immer mal wieder einen seiner coolen Sprüche rauslässt.

Ihr Regisseur wolle das Stück jugendgerecht inszenieren, erzählt sie und erntet dafür frenetischen Beifall von den Scholl-Schülern, die Steffi vor allem bei den offenherzigen Stellen mächtig anfeuern. Sie scheinen zu wissen, wovon sie redet. Und fühlen sich verstanden.

Kein Wunder, denn Steffi hat sich zur Vorbereitung auf den jugendgerechten Sommernachtstraum unters junge Volk gemischt, um zu "recherchieren": Wie sich die Jugend bewegt, was sie fühlt und was sie umtreibt. So, "wie der Darsteller von Harry Potter alle Bibi Blocksberg-Kassetten durchhören musste, damit er auf dem Besen reiten konnte". Und so besucht sie ihre Nichte, kauft sich die Bravo und informiert sich bei Dr. Sommer: "Wie krieg ich sie ins Bett?" - das Publikum johlt. Bei ihren Recherchen hat Steffi festgestellt, dass sich seit ihrer eigenen Pubertät gar nicht so viel verändert hat. Und prompt fühlt sie sich in ihre eigene Jugend zurückversetzt, wackelt, schlenkert, zittert, kichert, plappert, kreischt und wedelt ganz authentisch und nur ganz ganz wenig übertrieben auf der Bühne herum: ein wild gackerndes Hühnchen, von amoklaufenden Hormonen ferngesteuertes Teeniegirl zwischen Gefühlschaos und Pickelfrust. Sie demonstriert ihrem Publikum den Geheimcode verschiedener Kichertechniken und erklärt das Problem mit den Synapsen, die in dieser Phase offenbar ganz neu verschaltet werden. So im Nachhinein ist ja so eine Pubertät ganz unterhaltsam, aber sie durchzumachen, mit all ihren Veränderungen, Unsicherheiten, Peinlichkeiten, Verklemmtheiten und kaum steuerbaren Energien - der reinste Horror. Der Höhepunkt dieser Wahnsinnsphase: "Schullandheim im Sauerland".

Auch die Eltern werden in der Pubertät immer schwieriger. Mütter wollen mit zum "Ärzte"-Konzert, "anstatt es anständig zu verbieten". Die Jungs wiederum werden eingeteilt in Pausenfußballer, Warcraft-Helden und Granitblöcke, die nur Steinzeitgeräusche von sich geben. Steffi steht ja auf einen coolen Granitblock namens Timo. Timo steht auf Nicole. Nicole steht auf Kevin. Kevin steht wiederum auf sie. Das wiederum ist wie bei Shakespeare, der, so vermutet Steffi, wahrscheinlich selbst nie aus der Pubertät herausgekommen ist.

Kathrin Kipp, Reutlinger Nachrichten, 2. Oktober 2010


© Landestheater Tübingen