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Uraufführung
4. Dezember 2009

Liebeslyrik

Ein Theaterstück von Stefan Rogge und Ensemble.


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Dem Wind entgegen
Uraufführung: Stefan Rogges Themenabend "Liebeslyrik" am Landestheater Tübingen (LTT)

Tübingen. "Des Panes Rat: Magnatat!" Gegen Goethes Gedichte helfen offenbar nur noch die kleinen Helferchen der Pharmaindustrie. Am LTT feierte Stefan Rogges "Liebeslyrik" Uraufführung - ohne viel Herzklopfen.
Licht: gedämpft. Stimmung: düster. Odysseus, der Kameramann, wird von seinem Assistenten durch die Gegend geschoben. Regisseur Victor gibt noch letzte Anweisungen, Regieassistentin Carry bedient die Klappe, und los geht"s: Neben einer gebrechlichen Greisin schwenkt ein kaugummikauender Tod seine Sense, von hinten schreitet die barockige Sünde nach vorne - Goethes "Rastlose Liebe" auf den roten Lippen: "Dem Schnee, dem Regen/ dem Wind entgegen/ im Dampf der Klüfte/ durch Nebeldüfte/ immer zu! Immer zu!/ Ohne Rast und Ruh!/ Lieber durch Leiden/ möcht" ich mich schlagen,/ als so viel Freuden/ des Lebens ertragen." Da kommt auch schon ein Faun auf sportlichen Bocksfüßen angestelzt, ein Eins-A-Wundermittel gegen Liebe, Goethe und andere Beschwerden im Gepäck: "Des Panes Rat: Magnatat!"
Stefan Rogge bringt in "Liebeslyrik" keineswegs nur inbrünstig vorgetragene Gedichte auf die Bühne, sondern hat mit dem Ensemble ein ganzes "Theaterstück" drumherum gebastelt und die Verse von Artaud, Bachmann, Benn, Brecht, Goethe, Heine, Lenz, Rimbaud oder Schiller in eine ... Film-im-Theater-Handlung eingebettet.
Das einst erfolgreiche Filmteam um Regisseur Victor muss jetzt Werbefilme für die Pharmaindustrie drehen. Der Clip soll laut Anweisung "wie eine Malerei von Stuck" wirken - also offensichtlich "schwülstig", düster, existenziell, symbolistisch und mystisch. Und so gehts auch am Set eher trüber als drunter zu, wenn alle möglichen Spielarten der Liebe durchexerziert werden: Victor und Jeanne sind ein vertrautes, aber eben auch verbrauchtes Paar.
Victor steht außerdem auf die Darstellerin der Sünde. Durch einen anonymen Liebesbrief - "Oh, ein Brief aus dem Theater. Na, der will vorgelesen sein!" - fühlt er sich bestärkt und versucht sie sofort zu begrapschen, doch ausgerechnet die Sünde pocht auf Anstand.
... Das Stück steckt außerdem voller Anspielungen auf Mythologie und "105 Jahre Filmgeschichte": Odysseus ist französischer Filmschaffender, wird aber von "Sven Nykvist" (Stefan Kraft) durch die Gegend geschoben - dem Kameramann von Ingmar Bergman. Regisseur Victor wiederum erinnert ein wenig an Woody Allen, der in seinem Werbeclip in kürzester Zeit alles auflaufen lässt, was das Dasein so zu bieten hat: Tod, Sünde, Poesie, Alter, Eros, Musik, Verführung und das geheimnisvolle Wundermittel namens "Magnatat".
... Trotzdem hat die "Liebeslyrik" auch seine lustigen Seiten. Etwa, wenn der Tod direkt vom Arbeitsamt geschickt wird. ... Gotthard Sinn mimt als Regisseur den überspannten Tyrannen mit Sinnkrise, der an der Mittelmäßigkeit des Lebens zerbricht. Mit Hildegard Maier spielt er die frustrierenden Szenen einer Ehe durch, die wiederum Ingeborg Bachmann kommentieren darf: "Erklär mir Liebe, was ich nicht erklären kann." Nadia Migdal spielt Victors nervöse Assistentin, Raffaele Bonazza den Faun und Minnesänger. Julienne Pfeil die zartbesaitete Sünde und Karlheinz Schmitt den Kaugummi-Tod. Andreas Debatins Odysseus wiederum weiß, um was es geht: "Leben heißt, den Gürtel festschnallen und Ausschau halten nach Schwierigkeiten."

Weitere Termine: 12, 17. und 30. Dezember, jeweils 20 Uhr Landestheater.

Kathrin kipp, Reutlinger Nachrichten, 7. Dezember 2009


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