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Premiere
9. Oktober 2009

Peter-Paul Zahl

Fritz - A German Hero

250 Jahre Schiller

für Zuschauer ab 14


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Südwest Presse

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Reutlinger General-Anzeiger

12. Oktober 2009
Schwarzwälder Bote


Die Leiden des jungen Sch.
"Fritz - A German Hero": Eine gelungene Würdigung des jungen Schiller im Waiblinger Bürgerzentrum

Waiblingen. Es schillert. Auch im Waiblinger Bürgerzentrum. Ein deutscher Held wird befeiert. Gegeben wird das Theaterstück "Fritz - A German Hero" und meint Friedrich, den großen Schiller. Vor genau 250 Jahren wurde er geboren. Am 10. November 1759.
Deshalb lud das Tandestheater Tübingen zum Mitfeiern bei dieser Geburtstagsfeier ein. Peter Paul Zahls Theaterstück "Fritz - A German Hero" stellt die Jugend des deutschen Dichters auf die Bühne. Der Autor Zahl ist einer, der weiß, wie es sich anfühlt, wenn man sich als Jugendlicher an der Staatsmacht reibt - ein Alt-68er, der mitfühlt mit so einem wie Schiller. Deshalb hat er das Stück für Besucher ab 14 Jahren geschrieben, des Schillers Jugend umreißt, bis zum ertsen Bühnenerfolg, der Uraufführung der "Räuber" in Mannheim.
In der Inszenierung von Michael Miensopust finden sich schräge Gestalten auf schräger Bühne. Zwei Aussparungen im schwarzen Parkett des Bühnenbodens: Platz für eine Band und für eine Treppe, über die Schiller, seine Schulfreunde, Herzog Carl Eugen, Schillers erste Lieben und sein Vater den Spielort betreten - in Kostümen, die an Thomas Gottschalks Outfit oder Musketieridylle erinnern, die auf einer Rockbühne so gut platziert wären, wie sie mutmaßlich als Schulkleidung an der Hohen Carlsschule dienen.
Musik spielt eine tragende Rolle. Zwei Musiker in Zivil bedienen ein sparsames Schlagzeug, ein Vibrafon, ein verdecktes Keybord und eine Gitarre. Die Musik von Christian Dähn und Heiner Kondschak beschallt den Schiller in einer Mischung aus musikalischen Andeutungen und Adaptionen, die ihn neben Bob Dylan und so manches Idol aus Rock und Pop stellen. Ein Klassiker, der mit Hilfe moderner Musiksprache beeindruckend dicht ins Heute geleitet wird. Spannend, auch musikalisch erregend umgesetzt für die Ohren eines Publikums, das den ABend leider verpasste.
Schulkassen? Fehlanzeige. Junge Zuschauer? Fehlanzeige bis auf eine Handvoll.
Sie hätten in den kurzen originalen Texthappen Schillers Sprache erahnen können. Hätten durch das druckvolle Spiel des Ensembles erahnen können, was es heißt, zwischen erwachendem politischen Bewusstsein und erzwungener Unterwürfigkeit vor einem Despoten zurechtzukommen, der die Sippenhaft pflegte (für unziemliches Benehmen des Sohnes haftete der Papa).
Schiller schreibt heimlich, liest heimlich Schubart und Klopstock. Nachts. Da wälzt er sich mit seinem weißen Federkiel in verzweifelter Leidenschaft, in tänzerische angedeuteten Krämpfen und Ekstase über die Bühne. Da wächst nach und nach sein pathetischer Idealismus heran, der sich irgendwann und endlich in den "Räubern" entlädt, seine Revolution auf deutscher Bühne, lange vor dem Sturm auf die Bastille. Wie in einem musikalischen Rondo wiederholt sich dieser Bühnentanz, diabolisch erobert sich der leidenschaftliche Idealismus in Wiederholungen Schillres Seele. Dazwischen Stationen eines Normalos: Freundschaften, die zerbrechen, überhöhte Lieben, Sehnsüchte.
Der Abend hat auf frische Weise den Jugendlichen Schiller gewürdigt, sein Werk jedoch hintangestellt. EinZugang zum Hero? Wie wird denn so einer zum Klassiker? Warum stehen überall auf deutschen Dorfplätzen und Brunnen die Büsten Schillers herum?
Ein Autor wie Rüdiger Safranski meint, heute sei so viel Physik und so wenig Metaphysik, weshalb ein Griff in die Schatztruhe des deutschen Idealismus (er spricht dabei von Schillers Werk) nicht schaden könne. Da ist er, der Klassiker, der Hero. DIe Leiden des jungen Sch.
Hoffen wir nach dem Waiblinger Bühnenappetizer auf den Griff zu den Reclamheften im häuslichen Bücherbrett. Auf die Theaterensembles und Rezitatoren, die die Originale nachreichen: das Werk in der Schatztruhe. Wem einmal Schillers "Bürgschaft" so richtig den Kehlkopf zuschnürte, der ist empfänglich für schillernden Idealismus.

Ursula Quast, Waiblinger Kreiszeitung, 13. November 2009


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