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Uraufführung
5. Dezember 2009

Karin Eppler

Gullivers Reisen

nach Motiven von Jonathan Swift

Ein Abenteuer-Erzähltheatersolo ab 9 Jahren


Übersicht

8. Dezember 2009
Reutlinger General-Anzeiger

8. Dezember 2009
Reutlinger Nachrichten

7. Dezember 2009
Schwäbisches Tagblatt


Ein Denkmal wird lebendig
Theater - Gullivers Reisen als vergnügliches und erfrischendes Erzähltheater von Karin Eppler am LTT-Kinder- und Jugendtheater. Christian Beppo Peters als Reisender

Was hat er nicht alles erlebt, der Gulliver. Erst überlebt er als Einziger eine Schiffskatastrophe. Dann strandet er am Ufer der Liliputaner. Schließlich wird er selbst zum kleinen Mann und zum Spielzeug für die Riesen und landet später noch bei den sprechenden Pferden, die sich Yahoos, eine Art Mensch, als Haustiere halten. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.

Und das kann vor allem auch Christian Beppo Peters. Der Schauspieler spielt den Abenteuer-Reisenden Gulliver in einer Version von Karin Eppler, die das herrliche Stück Erzähltheater nach Motiven von Jonathan Swift für das LTT-Kinder- und Jugendtheater bearbeitet und inszeniert hat. Es ist nicht einfach, gerade junge Zuschauer gut eine Stunde nur mit Erzählen zu fesseln. Aber Peters gelingt dies ausgezeichnet.

Er spielt die Geschichte aus und ermöglicht es so, ganz in die Fantasiewelt des Jonathan Swift und seiner Romanfigur einzutauchen. Zuerst ist Peters Gullivers Statue. Klar, dass so ein steinernes Denkmal erst mal einige Verrenkungen machen muss, bis es gelenkiger wird und erzählen kann, wie es auf den Sockel kam. Doch dann lässt Peters den vergnüglichen Reisebericht aus dem Jahre 1699 lebendig werden.

Wie Liliputaner reden

Mit kleinen, aber wirkungsvollen Stilmitteln lässt er die Welt der Liliputaner entstehen, die als Fingerfiguren auftauchen. Sehr schön und witzig gelingt ihm der Transport, als ihn die kleinen Menschen in ihre Stadt tragen. Und genauso unterhaltsam ist es, wie er sich mit der Sprache der Liliputaner auseinandersetzt. Dies beinhaltet gerade für die kleineren Zuschauer ab neun viel Unterhaltungspotenzial.

Nach einem kleineren Kriegsgeplänkel mit der Nachbarinsel, bei dem sich Gulliver als riesengroßer Verbündeter auszeichnen und so Blutvergießen verhindern kann, wird er plötzlich selbst zum kleinen Mann. Er kommt in die Welt der Riesen und kann es nun nachempfinden, wie es den Liliputanern zuvor mit ihm erging.

Peters gelingt dieser Übergang sehr gut. Es entsteht kein Bruch, aus dem Riesen Gulliver wird nahtlos der kleine Wicht, der nun das putzige Püppchen für die Großen sein darf.

Der Blickwinkel im Stück hat sich geändert. Und langsam und unaufdringlich taucht die Frage auf, wie man sich Menschen gegenüber verhält, die anders sind. Und das fördert auch die dritte Reisestation zutage. Gulliver findet sich im Land der Houyhnhnms wieder, wo sprechende Pferde leben, die weder Neid noch Bosheit noch Lüge kennen und die sich menschenähnliche Wesen halten, die von Kopf bis Fuß behaart sind und sich im Dreck suhlen. Es ist herrlich anzusehen, wie Swift und in der LTT-Version Peters die Welt auf den Kopf stellt.

Sicher ist die Original-Geschichte des irischen Autors stark gekürzt. Aber das tut ihr gut. Regisseurin Eppler gelingt so, mit der spielfreudigen Unterstützung von Peters, ein vergnügliches Erzähltheater zu schaffen, das man sich gerne anschaut, auch als Erwachsener.

Veit Müller, Reutlinger General-Anzeiger, 8. Dezember 2009


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