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Uraufführung
29. April 2010

Othmar Mahlmeister / tjc (Theaterjugendclub am LTT)

Von Weicheiern und Werwölfen

Uraufführung
Eine Produktion des tjc (Theaterjugendclub am LTT) // ab 10


Übersicht

3. Mai 2010
Schwäbisches Tagblatt

29. April 2010
Schwäbisches Tagblatt ONLINE


Wie ist der Mann ein Mann?
Der Theaterjugendclub zeigt im Tübinger Landestheater die Uraufführung des Tanzstücks "Von Weicheiern und Werwölfen"

„Mann hat’s schwer.“ Dieses Statement weist auf eine noch ausstehende Selbstbestimmung: der Emanzipation des Mannes. Die Frauen haben es recht erfolgreich vorgemacht, nun sind die Männer dran. Etwa im Stück „Von Weicheiern und Werwölfen“ des Theaterjugendclubs des Tübinger Kinder- und Jugendtheaters. Männliche Schauspieler nehmen ihr eigenes Rollenbild in den Fokus. Die Uraufführung am Donnerstag in der LTT-Werkstatt war ausverkauft.

Zwölf Jugendliche und vier erwachsene Laien unter der Leitung von Tobias Ballnus entwickelten mit dem Wannweiler Autor Othmar Mahlmeister das Stück. Vollmond, Wald, Legende: Diese Ingredienzen sind die Basis der Geschichte. Aus unterschiedlicher Motivation streifen Kinder, Jugendliche und Männer durch den Tann. Merkwürdiges soll dort vorgehen, Menschen verschwinden oder werden verrückt, eigenartige Pilze wachsen dort. Nicht zu vergessen: Ein Werwolf haust im Wald, der just diese Nacht Wünsche erfüllt, so eine Legende.

Der erste Teil des einstündigen Stücks stellt die Charaktere vor und verknüpft die handelnden Personen. Zwei Gruppen von Kindern ziehen durch den Wald, den eigenen Mut rühmend, die „Weicheier“ der anderen Gruppe verspottend. Großspurigkeit, die sich beim Rascheln im Unterholz in Panik verwandelt. Antipathie teilen sich auch zwei Halbstarke mit zwei schöngeistigen Studenten. Ins Beziehungsnetz flechten sich noch ein Großvater, ein Biologe und ein wandernder Manager ein.

Alle finden bei einem Waldschrat zusammen, in dessen Suppentopf besagter eigenartiger Pilz köchelt. Die Gesellschaft taucht ein in einen Psycho-Tanztrip mit Erkenntnisgewinn. Die Kinder zeigen eine Fußballperformance, die Jugendlichen breakdancen, und die Älteren zeigen eine pantomimische Nummer.

Die Tänze entstanden aus Improvisationen, die Choreografien (Alexander Sonnenwald) spiegeln Rollenbilder und Selbstverständnis wider. Eindrücklich zeigt ein Stockkampf den aggressiven Part männlichen Seins: Heldentum, Metzelei und Tod. Das Stück entwickelt fesselnde Dynamik, mündend in Michael Jacksons „Thriller“-Tanz. Zum Schluss streben alle zum Mond – ein archaisches Traumfinale, aus dem die Runde geläutert erwacht.

Ballnus und sein Ensemble haben alles auf den Tanzpart zugespitzt: Die Waldszenen davor sind bisweilen amüsant, plätschern aber auch vor sich hin. Fesselnd wird es bei den Choreografien, die Darsteller wie Zuschauer an ihren Rollenbildern packt. Das Bühnenbild, verhängt mit Tarnnetzen, wirkt anfangs unmotiviert, bietet aber beim Tanz den Raum, den der Wirbel braucht. Eine schöne Idee: Der Mond über der Szene, der oft einbezogen und zuletzt mit viel Tamtam vom Nachthimmel geholt wird.

Das Publikum ließ sich von dem Stück mitziehen. Lachen, Jubeln, Szenenapplaus – Arbeit an Rollenbildern darf auch Spaß machen.

Unterm Strich

Schwarzbrot mit Zuckerguss: Aus einer konstruiert wirkenden Story zu Beginn wird ein fesselnder Tanz, der Männer so zeigt, wie sie sich selber sehen (könnten). Selten zeigt ein Laientheater so viele alte wie junge Darsteller, die gemeinsam über sich hinaus wachsen.

Fabian Ziehe, Schwäbisches Tagblatt, 3. Mai 2010


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