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Premiere
20. November 2009

Ulrich Plenzdorf

Die neuen Leiden des jungen W.

Moderner Klassiker/Schulstoff


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Hauptdarsteller brilliert in der Rolle des Edgar
"Die neuen Leiden des jungen W." am LTT

Eine umjubelte Premiere feierte am Wochenende am Landestheater Tübingen Ulrich Plenzdorfs "Die neuen Leiden des jungen W." Regisseur Ralf Siebelt zeichnet einen aggressiven Protagonisten Edgar Wibeau während das Stück angesichts von Schuttbergen, die von der Decke regnen, zur Trash-Inszenierung wird, die das ältere Publikum leicht schockierte.
Auf den LTT-Spielplan schaffte es Plenzdorfs Stück anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls.
Die Rolle des rebellischen Schlosserlehrlings Edgar ist Martin Schutz-Coulon auf den Leib geschrieben. Edgar will aus der Enge der Kleinstadt fliehen und findet Unterschlupf in einer Kolonie in Berlin. Er ist Maler, macht ab und an halbnackt Happenings. In Ralf Siebelts Inszenierung gerät Plfenzdorfs Stoff zum rasanten Road-Movie, das frech ist wie "Easy Rider" und mit Goethes Klassiker und Anklängen an dessen "Werther" herrlich respektlos umgeht.
Edgar Wibeau findet auf dem Klo seiner Laube ein altes Reclamheft und bastelt daraus einen Code für seine eigene Befindlichkeit. Zu allem Überfluss verliebt er sich in Charly (Silvia Pfändner), die einige Jahre älter ist als er. Auf dem Bau verdient sich Edgar ein paar Euro dazu. Nur einer kommt ihm in die Quere, und das ist Charlies Verlobter Dieter (Martin Maria Eschenbach).
Eine tragende Rolle spielt in Ralf Siebelts Inszenierung die Musik, hier wurde er unterstützt von Jojo Büld und Martin Hagenbuch. Der Sound passt in das 70er-Jahre-Feeling, das das Stück verbreitet. Wenn Schultz-Coulon "White Jeans? No! Black Jeans? No! Oh, Blue Jeans, Yeah!" singt, trifft er damit das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Der Tod schließlich, der durch das Herumspielen mit einem alten Trafo eintritt, hat etwas Zufälliges - ganz anders als bei Goethes Werther.
Ralf Siebelt wagt sich mit "Die neuen Leiden des jungen W." an geballte Kultur- und Literaturgeschichte, die nebenbei die Trennung der beiden deutschen Staaten thematisiert. Ein erfrischender Theaterabend gerade auch für das junge Publikum, ein Stück übers Erwachsenwerden und Erwachsensein.

Angela Baum, Schwarzwälder Bote, 23. November 2009


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