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Uraufführung
21. November 2009

Patricia Liedtke-Wittenborn

Leiselaut

Ein musikalisches Stück für Ängstliche und Mutige

ab 4 Jahren


Übersicht

25. November 2009
Reutlinger Nachrichten

24. November 2009
Reutlinger Generalanzeiger


Alle spielen Indianer: Neues muss nicht immer schlimm sein
Tübingen. "Ein musikalisches Stück für Ängstliche und Mutige" und für Kinder ab vier Jahren zeigt das Tübinger Kinder- und Jugendtheater mit "Leiselaut".

"Leiselaut" ist ganz aus dem Alltag gegriffen und geht um die Überwindung von Ängsten: Leefke ist mit ihren Eltern umgezogen. Alles ist fremd: das Zimmer, die Geräusche, die Monster unterm Bett. Und am nächsten Tag steht auch noch der Besuch im neuen Kindergarten an. Leefke hat deswegen schon ganz doll Angst und schlechte Laune.

Eine ganz alltägliche Situation also, die Patricia Liedtke-Wittenborn in ein Erzähltheaterstück für die ganz Kleinen gepackt hat, das Simone Sterr als bebildertes Hörspiel mit vielen neckischen Ideen auf die Bühne bringt, gespickt mit den unterschiedlichsten Sinnesreizen wie Licht- und Schattenspiel, Geräusche, Musik, Gegenstände, Fingerfarbe und sogar einem Socken-Dialog. Magdalena Flade spielt dabei in monologischen Dialogen ganz hervorragend alle Rollen, ohne je die eigene zu verlassen. Die anderen Figuren sind durch Bilder, Objekte oder musikalische Geräusche ersetzt.

Das kleine Mädchen inspiziert ihr neues Zimmer erst ganz schüchtern mit der Taschenlampe: Leefke spielt mit dem Lichtkegel, der Lichtkegel spielt mit Leefke, und schnell wird klar, dass an diesem Kinderzimmer etwas nicht stimmt: Das Fenster hängt falsch herum, die Tür hängt an der Decke und der ziemlich musikalische Schrank schief im Eck. Bühnenbildnerin Hannah Landes hat das Zimmer von Leefke zwar nicht auf den Kopf gestellt, aber vornübergekippt, so dass die Zuschauer von oben reinschauen können, während Leefke praktisch die Wände entlang läuft: Ein neues Leben bringt auch verschobene Perspektiven und Sichtweisen mit sich. Leefke jedenfalls hat Angst und verkriecht sich unter ihrer Decke, als sich auch schon eine lange Stange durchs Zimmer streckt und an den seltsamen Instrumenten im Eck herumfummelt: Die neuen Geräusche machen Angst, aber auch neugierig. Und schon taucht auch der dazugehörige Percussionist Christian Dähn auf, um für die akustische Untermalung der so leb- wie sprunghaften Phantasie- und Gefühlswelt von Leefke zu sorgen, die von ihrer alten Heimat träumt, wo Opa lebt, das Meer rauscht und die Fischlein sich im Wasser tummeln.

Eine knusprige Plastikfolie verwandelt sich bei Bedarf in eine Qualle oder in Mutti. Dann, am nächsten Morgen, will Leefke partout nicht in den Kindi, schmiert sich deshalb Fingerfarbe ins Gesicht und hat "H5N1". Leefke zeigt abwechselnd Angst, Mut, Trotz und Zickigkeit und landet schließlich doch im Kindergarten, wo Christian Dähn mit seiner Aufforderung zum "Veschber" mit "Budderweggle" und "Wurschd" einen noch präziseren Hinweis darauf gibt, wo das Nordkind gelandet ist: ausgerechnet im Schwabenländle. Horror.

Hier haben die Kinder komische Namen, die die kleinen Theaterbesucher schüchtern in Dähns Mikro sprechen und als Stimmengewirr gesamplet werden. Außerdem hänseln sie Leefke und "glotzen doof", weshalb sie von Leefke mit dicken Froschaugen an die Wand gemalt werden. Aber schließlich gibt es hier auch nette Mädchen, so dass sich bei Leefke die Laune bessert. Am Schluss spielen alle Indianer, und Leefke kann die Erfahrung machen, dass Neues nicht immer schlimm sein muss und es sich lohnt, seine Hemmungen und Vorurteile zu überwinden.

Kathrin Kipp, Reutlinger Nachrichten, 25. November 2009


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