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Premiere
9. Juni 2007

Karin Eppler

Märchenmärchen

ab 6 Jahren


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Reutlinger General-Anzeiger

11. Juni 2007
Schwäbisches Tagblatt


Frei von Frosch und Vater

Das Einst und Jetzt, die Zauberkraft des Wünschens wie die Emanzipation von den Eltern haben gleichermaßen ihren Platz in "MärchenMärchen" von Karin Eppler. Am Samstag hatte das Kindertheaterstück Premiere im Landestheater Tübingen (LTT).
Einen braunen, alten Schrankkoffer mit wenigen, reichlich Fantasie anregenden Requisiten (Ausstattung Vesna Hiltmann) schieben Marie-Louise Gutteck und Chrysi Taoussanis zu Beginn der Märchen-Collage auf die leere Bühne. Ihr überzeugendes Spiel füllt diese schnell mit einer gelungenen Synthese aus Märchen-Klischees und Kinderwünschen.
Den "Froschkönig" wollen sie geben, zumindest die von Gutteck verkörperte, der poetischen Tradition verhaftete Märchenspielerin. Doch in ihren weihevollen Prolog "Es war einst vor langer, langer Zeit..." platzt andauernd der Frosch hinein: Taoussanis als die zweite Märchenspielerin hat die Nase voll, immer warten zu müssen und die Nebenfiguren zu spielen. "Jetzt will ich mal erzählen und du kannst die dumme Dienerin oder den Frosch machen", übernimmt sie das Wort, doch mit dem Sprechen hapert es: Erzählen ist gar nicht so einfach, muss sie feststellen. Da ihr kein Titel für ihr neues Märchen einfällt, kommt doch wieder Gutteck zum Zug, die souverän das "Märchen ohne Titel" ankündigt.

All die verbotenen Orte
Taoussanis erfindet die Prinzessin Lena, der es einfach wirklich gut geht. Das gibt noch keine Geschichte her, kritisiert Gutteck und schwingt sich zur Prinzessin-Mutter auf, um als solche ihre Mitspielerin mit der strengen Erziehung zur königlichen Anmut zu nerven. An dem ständigen Machtkampf der zwei Märchenspielerinnen wächst die von Taoussanis verkörperte, so lässt sie die Königin kurzerhand sterben, um endlich all die von der Mama verbotenen Orte aufsuchen zu können: Pferdestall, Ritterübungsplatz und den dunklen Wald. Doch im Laufe des Stücks zieht die traditionsbewusste Spielerin immer mehr mit, und als Team stellen sie das Märchen von dem frechen Mädchen auf die Beine, dem nichts anderes übrig bleibt, als selbst sein Schicksal in die Hand zu nehmen: Der Märchenfrosch im dunklen Wald entpuppt sich als Kröte mit nutzlosen Ratschlägen.
Gespielt wird das an Sprachwitz reiche Werk unter der Regie von Fabian Guillery mit Schwung und flotten Ideen: So schildert Gutteck auf dem Ritterübungsplatz in Radioreporter-Manier die Kämpfe, Taoussanis führt den Schwertkampf mit aneinander geschlagenem Essbesteck akustisch vor Augen. Mit ihrer parodistischen Darstellung des Märchenpersonals ernteten sie viel Gelächter und Applaus.

Reutlinger General-Anzeiger, 11. Juni 2007


© Landestheater Tübingen