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Deutschsprachige Erstaufführung
26. Januar 2006

Christo Bojtschev

Titanic-Orchester

Aus dem Bulgarischen von Werner Buhss

Regie: Cilli Drexel
Ausstattung: Hannah Landes / Dramaturgie: Anna Haas
Mit: Gunnar Kolb, Johannes Lehmann, Hildegard Maier, Karlheinz Schmitt, Helge Thun
Dauer: 90 min.


Christo Bojtschev ist einer der meist gespielten Dramatiker in Osteuropa und vor allem für seine Politsatiren bekannt. [s]Titanic-Orchester[/s] wurde 2002 in Bulgarien uraufgeführt

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Vier Landstreicher, die auf dem Bahnhof hausen, üben den kriminalistischen Ernstfall: Zug anhalten, einsteigen, Koffer abladen, Ablenkungsmannöver, an der nächsten Station aussteigen, bepackt mit den Koffern der Mitreisenden. Tolle Sache. Super Coup. Der einzige Haken: es hält an diesem Bahnhof längst kein Zug mehr. Und außer Abfall und leeren Flaschen, die aus den Fenstern der vorbeirasenden Züge geworfen werden, findet nichts seinen Weg auf dieses Abstellgleis an irgendeinem fernen Ende dieser Welt.
Doch eines Tages passiert es. Aus dem Zugfenster fliegt eine Kiste. Der Inhalt macht die Sensation perfekt. Denn ihr entsteigt Harry. Unterhaltungskünstler, Illusionist, Spezialist für Tricks. Im echten Leben und in der wahren Kunst der Scharlatanerie.
In mehreren Lektionen lehrt er die erfolglosen Kofferräuber, dass die Illusion wahrhaftiger sein kann als alle Wirklichkeit. Die wahre Kunst des Überlebens liegt in der Phantasie des Einzelnen, losgelöst von materiellen Projektionen.

So bizarr sein Auftreten, so überraschend gestaltet sich sein Abgang: Harry verschwindet in eben der Kiste, aus der er gekommen ist, und alle anderen tun es ihm gleich. Übrig bleibt Doku, der letzte im Bunde. Bei ihm will der Trick partout nicht klappen. Beweis seiner Echtheit? Ist er also am Leben? Oder ist alles ohnehin ein Traum, die Wirklichkeit nur Vorstellung und das Leben ein Trick, dem man auf den Leim geht? Doku beschließt zu warten. So lange, bis jemand kommt, der ihm bestätigt, dass er nicht verschwunden ist, dass er existiert.
Und am Ende dieses schillernden philosophischen Märchens, voll schrägem Humor und brillantem Spielwitz, erobert ein Clown beckettschen Zuschnitts die Bühne.


© Landestheater Tübingen