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Premiere
6. Mai 2010

Carl Sternheim

1913

Aus dem bürgerlichen Heldenleben

Inszenierung: Ralf Siebelt / Ausstattung: Hannah Landes / Musik: Jojo Büld / Dramaturgie: Inge Zeppenfeld
Regieassistenz: Marion Schneider / Inspizienz: Ermis Zilelidis / Soufflage: Bernhard Klasing
Mit: Felix Banholzer, Raffaele Bonazza, Christian Dräger, Danny Exnar, Britta Hübel, Theresa Langer, Patrick Schnicke, Johannes Schön, Gotthard Sinn


Carl Sternheim, 1878 als Sohn eines Bankiers in Leipzig geboren und in Hannover und Berlin aufgewachsen, verfasste fünfzehnjährig sein erstes Drama. Das Schauspiel 1913 gehört - wie "Die Hose", "Der Snob" und "Das Fossil" - zu dem Dramenzyklus "Aus dem bürgerlichen Heldenleben".
Diese ironische Titelgebung verweist auf Sternheims kritische Einstellung gegenüber der Wilhelminischen Bürgergesellschaft, deren hohles Phrasengedresche und engstirniges Spießertum er gekonnt durch sprachliche Verknappung - dem "Telegrammstil" - spielerisch entlarvt.

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"Ist eines Systems Höhe erreicht, steht die Möglichkeit eines Wechsels stets vor der Tür."

Er hat es geschafft! Der ehemalige Kleinbürgersohn und „Snob“ Christian Maske kann kurz vor seinem 70. Geburtstag auf einen Weg zurückblicken, der ihn mit radikalem Unternehmertum und kompromisslosem Egoismus zielgenau dorthin gebracht hat, wo er immer schon hinwollte: nach ganz oben. Er gehört jetzt – geadelt zu Christian Maske von Buchow – zur exklusiven Schicht der schwerreichen Industriellen, die Deutschlands Ökonomie bestimmen. Allerdings ist die wirtschaftliche Lage über ihren Zenit hinaus. Maskes Nachwuchs kümmert das wenig: Sein Sohn Phillip Ernst und seine Tochter Ottilie zeigen kein Interesse an der Firma – Hauptsache, das Geld fließt. Allerdings hat Ottilie begonnen, sich mit Wilhelm, dem Privatsekretär ihres Vaters, zu beschäftigen, der heimlich gegen die Ideologie internationalen Kapitalismus agitiert und damit einen gewissen abenteuerlichen Reiz auf Ottilie ausübt. Sophie, das dritte Kind Christian Maskes, ist die einzige, die den väterlichen Geschäftssinn geerbt hat und es in punkto Skrupellosigkeit mit dem Firmen- und Familienoberhaupt aufnehmen kann. Obwohl ihr Vater auf ein zukünftiges Rüstungsgeschäft mit Deutschland setzt, versucht sich Sophie über den Kopf des alten Herren hinweg mit der holländischen Regierung über einen Waffenauftrag zu einigen und Maske damit in seiner eigenen Firma auszubooten. Es kommt zum erbitterten Machtkampf ...

Im Sommer 1914 vollendet, wurde die Aufführung von Carl Sternheims Komödie „1913“ während des Ersten Weltkriegs verboten. Die Uraufführung fand erst 1919 statt. Die ironische Titelgebung des Dramenzyklus „Aus dem bürgerlichen Heldenleben“, zu dem neben „1913“ u. a. „Die Hose“, „Der Snob“ und „Die Kassette“ gehören, verweist auf Sternheims kritische Einstellung gegenüber der Wilhelminischen Bürgergesellschaft, deren hohles Phrasengedresche und engstirniges Spießertum er gekonnt durch sprachliche Verknappung entlarvt. „Scharfe Kommandos, Mitteilungen in knappster Fassung. Stechschritt der Worte“, so beschreibt Alfred Polgar – Kritiker, Schriftsteller und Zeitgenosse Sternheims – dessen Sprachstil, mit dem er die kongeniale Form für die Darstellung einer dementsprechenden Gesinnung fand.


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