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Premiere
25. September 2009

William Shakespeare

Ein Sommernachtstraum

Klassische Komödie mit Musik


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Kunst und Liebe als fauler Zauber
Das Tübinger Landestheater zeigt William Shakespeares "Sommernachtstraum" als eine "spaßige Tragödie"

Weder die Liebe, noch die Kunst ist für die Ewigkeit. Aber "der Mensch ist nur ein Esel, wenn er sich daran macht, diesen Traum zu deuten": Das LTT mit dem Sommernachtstraum als "spaßige Tragödie".

"Tragisch! Poetisch! Zeitgenössisch! Kongenial!": Laiendarsteller Klaus Zettel wird gerade von einer Welle kreativer Hochstimmung erfasst. Mit ihrer "spaßigen Tragödie" dient seine Truppe nicht nur der künstlerischen Erbauung der Athener Hochzeitsgesellschaft, sondern führt dabei auch die tragische Seite der Liebe vor, wie sie, nur aufgrund kleiner Missverständnisse, in den sicheren Tod führt.

Und auch in den anderen Kunst-und Liebeswelten, die im selbstironischen Sommernachtstraum elegant miteinander verwoben sind, erscheint die Liebe nicht gerade in romantischem Licht: Die jungen Athener werden von ihr - aus Zufall oder einer übernatürlichen Laune heraus - in Form von flüchtigen Wahnsinnsattacken heimgesucht. Auch bei den Elfens ehekriselts, und selbst der Fürst hat sich seine Amazone mit dem Schwert erkämpfen müssen: Trübe Aussichten auf die vermeintlich ewige und wahre Liebe also. Aber dann sollten sich wenigstens die Zuschauer dabei amüsieren, wie sich der Mensch in der Liebe, aber auch in der Kunst zum Volldeppen macht, dachte sich vielleicht Shakespeare. Und das dachte sich wohl auch Regisseurin Simone Sterr, deren ebenfalls recht desillusionierter Sommernachtstraum alles andere als ein berauschtes Liebesmärchen ist: Ganz ohne Zauber, dafür mit umso mehr Zaubertrank werden die Liebenden ziemlich nüchtern in ihrer Lächerlichkeit, aber auch Tragik vorgeführt, zum Trost aber umrankt von viel Musik und echt lustiger Laienspiel-Parodie.


Aber die Zuschauer dürfen angesichts der ganzen Kunst- und Liebeswirren nicht nur überheblich grinsen, sondern müssen mitspielen und anfangs im LTT-Foyer als Volk die filmische Festrede des Fürsten bejubeln. Danach geht es in den Athener Zauberwald, der sich - vielleicht, weil er abgebrannt ist - im LTT-Saal als eine nur scheinbar traumhafte Glitzerwelt aus Plastikfolie auftut. Hier transponiert eine übernatürliche Elfen-Band fast musicalmäßig mit mal schrägem, mal schnulzigem und mal psychedelischem Pop den Text in die vielstimmige Sphäre der Musik (Komposition: Jojo Büld).

Im Plastikwald treffen nicht nur allerlei Schein-, Traum-, Poesie- und Liebeswelten aufeinander, sondern auch die ineinander verschachtelten, schiefen Ebenen und Rundungen des Bühnenbildes von Marion Eiselé. Der weiche Untergrund lässt keine allzu geschmeidige Bewegungen zu, weshalb die nicht nur von Cupido, sondern auch von der Regie ferngesteuerten Menschen und Elfen mehr waten, stolpern und rutschen als liebeswandeln, wie sie insgesamt sehr körperlich und künstlich agieren.

Die jungen Athener sind nicht nur Opfer der patriarchalen Machtverhältnisse, sondern auch ihrer zutiefst empfundenen, aber umso schnelllebigeren Gefühle - zumindest bei den Jungs. In dieser Scheinwelt scheint nichts echt und nichts verlässlich zu sein, weshalb die so blassen wie irritierten Protagonisten auch alle austauschbar zu sein scheinen. Raffaele Bonazza, Johannes Schön, Nadia Migdal und Julienne Pfeil bringen zwar ihre Emotionen immer unvermittelt und feurig zum Ausdruck, liefern sich aber letzten Endes nur Schaukämpfe. Dazwischen geistert Patrick Schnicke als auf bleich geschminkter Puck herum, um betont unclownig seine seltsamen Späße mit den Menschen zu treiben, bei dem ihm mitunter gravierende Fehler unterlaufen: Aber "so ist das Leben" eben.

Elfenkönig Oberon (Benjamin Kradolfer Roth) wiederum übt sich in asiatischer Kampfkunst und zeigt sich mit seinem Zaubertrank genauso experimentierfreudig wie der Laienspieltrupp, der mit geballter Kreativpower für allgemeine Heiterkeit sorgt, vor allem beim Showdown: Zwischen trashiger Palmendeko wispert Thisbe (Hildegard Maier), steht die Wand (Bernhard Klasing), und brüllt der Löwe (Michael Kientzle) im Ghostbuster-Outfit mit Putzschwämmchenmähne (Kostüme: Mascha Schubert).

Karl-Heinz Schmitt spielt mit großer Finesse den sensiblen Klischeekünstler Narziss Zettel, der seinerseits seinen Fahrradschlauch-Ritter ordentlich überdosiert und darin das ganze Drama scheiternder Liebes-Kunst wie Kunst-Liebe vorführt: Ihr opfert er am Ende nämlich sein Leben. Ganz in Echt.

Kathrin Kipp, Reutlinger Nachrichten, 28. September 2009


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