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Premiere
2. Dezember 2005

George F. Walker

Heaven

Aus dem Englischen von Frank Heibert

Regie: Schirin Khodadadian
Bühne & Kostüme: Marion Eiselé / Musik: Katrin Vellrath / Dramaturgie: Inge Zeppenfeld
Mit: Katja Bramm, Ina Fritsche, Gunnar Kolb, Johannes Lehmann, Marius Marx, Leif Stawski
Dauer: 120 min.


George F. Walker wuchs in einem Arbeitervorort von Toronto auf. Er arbeitete als Taxifahrer, bis er 1970 dem Aufruf des Factory Theatres folgte und ein Stück einschickte, das sofort realisiert wurde. Sechs Jahre blieb er dem Factory Theatre als Hausautor treu, zwei Jahre als Künstlerischer Direktor. In Kanada ist er einer der populärsten englischsprachigen Autoren und wurde mit zahlreichen Theaterpreisen ausgezeichnet. Nachdem seine Stücke an der Schaubühne Berlin 2003 vorgestellt wurden, erobern sie langsam aber sicher auch die deutschsprachigen Bühnen.

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Politisch korrektes Verhalten, Liberal-Sein bis zur Unkenntlichkeit, Toleranz in Glaubensfragen, multikulturelles Miteinander als friedliches Gesellschaftsmodell... Jimmy hasst das. Sein Beruf als Anwalt für Minderheitenrechte zeigt eine andere Realität: Der Drogendealer ist nun mal ein Schwarzer, und der Rabbi, der sich als guter Freund und Vermittler in Ehekrisen andient, schnappt ihm seine Frau vor der Nase weg, der Cop des Viertels versetzt die Gegend in Angst und Schrecken. Jimmys Berufsethos ist einem verzweifelten Zynismus gewichen. Akribisch beobachtet er die Welt und ihr durch und durch verkommenes Personal. Ob Polizist, Anwalt oder Gottesdiener: korrupt, erpressbar und egomanisch auf den eigenen Vorteil bedacht sind sie alle.
Irgendwann ist jeder, dem Jimmy begegnet, in ein Verbrechen verwickelt, als Opfer, Täter, Mitwisser, Zuschauer. Es gibt Tote. Und als solche landen sie im Himmel. Ein Ort der Abrechnung, der Projektion, eine Showbühne für ungelöste Lebensfragen, ein Ort der Verheißung oder Enttäuschung? Was bedeutet eigentlich der Himmel für das Leben auf Erden?

Beißend ist der Humor, mit dem der Kanadier [a]George F. Walker[/a] das Leben der modernen Gesellschaft zeichnet. Dabei wirbelt er sämtliche Vorstellungen von Moral durcheinander, spielt mit Vorurteilen und Vorverurteilungen, entlarvt spöttisch pseudoliberale Gesinnung, indem er der politisch ausformulierten Utopie die harte Realität entgegensetzt. Indem er ethische Grundsätze, nach denen man suchen und handeln könnte, verwirrt, Prinzipien verwischt, öffnet er den Raum für ein komplexes Nachdenken darüber, wie man in offenen, freiheitlichen Gesellschaften mit unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, Kultur- und Glaubensgemeinschaften zusammenleben soll.


© Landestheater Tübingen