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Premiere
18. November 2005

Bertolt Brecht

Der gute Mensch von Sezuan

Parabelstück in 10 Bildern

Mit Musik von Paul Dessau
("Lied vom achten Elefanten", "Lied vom Sankt Nimmerleinstag" und "Lied von der Wehrlosigkeit der Götter und der Guten")

Regie: Ralf Siebelt
Bühne & Kostüme: Jürgen Höth / Dramaturgie: Volker Schubert
Umbau- und Hintergrundmusiken: Edgar Mann, unter Verwendung von Motiven der Musik von Paul Dessau zu DER GUTE MENSCH VON SEZUAN
Mit: Ulrike Euen, Katja Gaudard, Daniela Keckeis, Annabelle Leip, Urs Rechn, Karlheinz Schmitt, Johannes Schön, Gotthard Sinn
Dauer: 140 min.


Bertolt Brecht ist zum Inbegriff eines Theaters geworden, das dem Zuschauer eine fruchtbare Kritik vom gesellschaftlichen Standpunkt aus (Brecht) ermöglicht. Sein Vergnügen an der Vermittlung der Veränderbarkeit der Gesellschaft hat er mit ungebrochener Neugier in immer neue dramatische Formen verpackt. Sein Episches Theater ist einer der Meilensteine abendländischer Theatergeschichte.

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Wie soll ich gut sein, wenn alles so teuer ist?

Diese alles entscheidende Frage stellt [a]Bertolt Brecht[/a] in seiner Parabel [s]Der gute Mensch von Sezuan[/s] - eine Frage, bei der selbst die Götter mit ihrem Latein am Ende sind. Sie haben auf ihrer irdischen Inspektionsreise bisher vergeblich nach guten Menschen Ausschau gehalten, und auch in Sezuan sieht es zunächst nicht besonders Erfolg versprechend aus. Doch dann vermittelt sie der Wasserträger Wang an die selbstlose Prostituierte Shen Te: obwohl sie einen Freier empfangen müsste, um die längst überfällige Miete zahlen zu können, gewährt sie stattdessen den Göttern ein Quartier für die Nacht. Das Geld, mit dem sie von der Götterdelegation entlohnt wird, investiert Shen Te in ein Geschäft. Als frisch gebackene Besitzerin eines Tabakladens ist sie jedoch im Nu umlagert von Menschen, die mit dreister Resolutheit die Hilfe des Engels der Vorstädte einfordern. Und Shen Te hilft bedingungslos, bis ihre eigene Existenz erneut auf dem Spiel steht. In ihrer Not erfindet sie einen Vetter namens Shui Ta, der sich in jeder brenzligen Situation als knallharter Ökonom durchzusetzen weiß. Fortan schlüpft sie immer wieder in seine Rolle, um sich der Schmarotzer und Wucherer zu erwehren. Welch tief greifende Konsequenzen ihr Doppelspiel hat, muss Shen Te erleben, als sie sich eines Tages mit Haut und Haaren in den arbeitslosen Flieger Sun Yang verliebt. Sun Yang liebt sie auch, aber mehr noch liebt er ihr Geld, mit dem er eigene, unheilvolle Pläne verfolgt. Die verrät er durch Zufall Shui Ta, und nun wird Shen Te zwischen ihrer vertrauensvollen Liebe für und Shui Tas finanziellen Zwangsmaßnahmen gegen Sun hin und her gerissen. Shui Ta setzt sich zunehmend durch, bis 'er' am Ende sogar zum skrupellosen Fabrikbesitzer mutiert. Für die integre Shen Te ist dies ein Dilemma, aus dem sie auch die ultimativ angeflehten Götter nicht wirklich befreien können.

Brecht hatte seinem Stück, von dem einige Motive schon Mitte der zwanziger Jahre entstanden waren, bis zu seiner Fertigstellung 1941 immer wieder neue Elemente wie das chinesische Maskenspiel, kommentierende Songs und epische Ansprachen ans Publikum eingefügt, ohne jedoch die raue Poesie seiner Sprache, die Lebendigkeit der Figuren und den tragischen Witz der Handlung aus den Augen zu verlieren. Und so kann man in den vielfältigen Verhaltensweisen der verschiedenen Figuren auch heute noch reichlich Stoff zur vergnüglich-strengen Selbstanalyse in puncto Geld und Moral finden und zudem mit Shen Te und ihrem Flieger Sun Yang eine der schönsten, traurigsten und deshalb wahrhaftigsten Liebesgeschichten erleben.


© Landestheater Tübingen