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Deutsche Erstaufführung
7. Mai 2009

Ulrike Syha

China Shipping

Inszenierung: Alexander Tull / Bühne: Gitti Scherer / Kostüme: Vesna Hiltmann / Dramaturgie: Inge Zeppenfeld
Mit: Christian Dräger, Ina Fritsche, Britta Hübel, Gunnar Kolb, Silvia Pfändner, Frederike Schinzler, Martin Schultz-Coulon, Dominik Stein
Dauer: 150 min. (1 Pause)



Wie würde man sich Tschechows "Drei Schwestern" heute vorstellen? Was hätten sie für Sehnsüchte, Ängste und Wünsche? Und wo wollen sie hin, wenn nicht nach Moskau wie bei Tschechow? Von der weiten Welt müssen sie nicht träumen, die kennen sie: Sie alle leben in der Großstadt; stattdessen wollen sie irgendwie ankommen im eigenen Leben, wollen, dass es mal wirklich anfängt, das wahre Leben, so wie sie es sich wünschen. Im Stück von Ulrike Syha fahren sie nach Hause, suchen eine Heimat, einen Boden, der ihnen im alten Haus der Familie jedoch unter den Füßen wegbröckelt. Die älteste Schwester Helene ist Chemikerin, hasst Bummelzüge, hat aber die Strapaze, mit Regionalexpress und Bus nach Hause zu fahren, dennoch auf sich genommen, bevor sie sich möglicherweise für einen Job in China entscheidet. Die mittlere Schwester Marie, eine ehemalige Buchhändlerin, die versucht, der Ödnis ihrer Ehe in den Armen eines Liebhabers zu entkommen, könnte sich "nichts Schlimmeres vorstellen", als auch noch "an einem Ort wie diesem zu enden. Zwischen Reben, Kleintierzüchtern und Naturlehrpfaden", während sie befürchtet, dass es Wolf, ihrem Mann, einem Hobbyornithologen, sogar gefallen könnte. Man trifft sich zu Irinas Geburtstag. Sie ist die Jüngste, Kunststudentin, und weiß auch nicht, warum sie ihren "Geburtstag schon wieder in diesem Scheiß-Kaff " verbringt. Lediglich Bruder Tilman, Althistoriker und derzeit - die Betonung liegt auf derzeit - Angestellter bei der Kreisverwaltung, möchte mit seiner schwangeren Gattin Nicole gerne dort einziehen. Nur für den Übergang, bis ein eigenes Haus gefunden ist. Der Möbelwagen ist bereits bestellt. Doch er verspekuliert sich an der Londoner Börse ...

CHINA SHIPPING heißt Ulrike Syhas Tschechow-Remake. Eine psychologisch fein gestrickte Komödie über unsere Sehnsüchte und das, was wir ihrer Realisierung tagtäglich in den Weg stellen, nicht ohne einen trockenen und messerscharfen Humor. Es ist das bisher anrührendste und komischste Stück der 1976 in Mainz geborenen Dramatikerin und wurde im April 2007 in Wien uraufgeführt. Am LTT wird die Deutsche Erstaufführung zu sehen sein.


© Landestheater Tübingen