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Uraufführung
5. Dezember 2008

Bettina Erasmy

Mein Bruder Tom

Inszenierung und Raum: Thomas Krupa / Kostüme: Sabina Moncys / Video: Alexander Schmidt/ Komposition: Mark Polscher / Dramaturgie: Inge Zeppenfeld / Regieassistenz: Marion Schneider-Bast
Mit: Veronika Avraham, Katja Bramm, Christian Dräger, Ina Fritsche, Katja Gaudard, Udo Rau, Johannes Schön, Gotthard Sinn
Dauer: 90 min.



Das Stück MEIN BRUDER TOM der Berliner Dramaturgin und Regisseurin Bettina Erasmy wurde im vergangenen Jahr für den Stückemarkt des Berliner Theatertreffens nominiert und im Jahrbuch von "Theater Heute" als eine der "größten Chancen der neuen Saison" besprochen. Das LTT inszeniert die Uraufführung und wurde vergangenen Herbst gemeinsam mit der Autorin vom Deutschen Bühnenverein mit dem Landesbühnenpreis für den besten Uraufführungstext ausgezeichnet.

"Kein Essen. Kein Wasser. Keinen Schlaf. Acht Stunden Kälte. Acht Stunden Hitze. Und zum Schluss noch eine Surprise, Surprise. Sie kennen die Bedingungen. Denn wie heißt es so schön: BRING DEINE SOLDATEN IN POSITIONEN, AUS DENEN ES KEINEN FLUCHTWEG GIBT. Und wir machen euch fit dafür." Zwei junge Frauen, Ellen und Gloria, nehmen an einem kameraüberwachten Simulationsspiel teil, als Gewinn winkt die Teilnahme an einem Krieg. In diesem - namenlosen - Krieg hoffen die beiden, auf ihren verschollenen Bruder Tom zu treffen. Doch dessen Schicksal ist längst entschieden: Nach einem Großangriff findet er sich als einziger Überlebender in einer völlig verwüsteten Gegend wieder, wo er auf den Killersoldaten Sky trifft ... Gleich, ob makabres Spiel oder blutiger Ernst - sowohl für Gloria und Ellen als auch für Tom und Sky geht es ums blanke Überleben. Ebenso für die Kriegsberichterstatterin Helene und für den friedensbewegten Leif und auch für Robert und seine durch einen Biowaffenangriff mit einem gefährlichen Virus infizierte Frau. Sie alle katapultiert es plötzlich in eine surreal anmutende, "kahle, wie von tausend Glühbirnen geblendete Landschaft". Begegnungen bahnen sich an, erweisen sich als unmöglich - flüchtige Erinnerungen, seltsame Fotografien, deren man nicht habhaft werden kann ...

"Vier Ebenen, die einander überlagern", heißt es in der Laudatio zum Landesbühnenpreis, "lassen die Grenze zwischen ungerührt-zynischem Entertainment und schierer Realität verdunsten, aufgelöst in den ... Umnebelungen der kollektiven Wahrnehmung; damit einhergehend die Militarisierung der Politik und gesellschaftlicher Prozesse." Indem Bettina Erasmy den Schrecken in eine knappe sprachliche Form bannt, abstrahiert sie die Absurdität der Kriegsmaschinerie und deren medialer Spiegelungen. Doch gleichzeitig sind Farbe, Geruch und Geschmack des Krieges geradezu physisch spürbar und graben sich tief ins Bewusstsein.


© Landestheater Tübingen