Wir sind umgezogen! Hier gehts zur neuen Homepage des LTT

FotoFotoFotoFotoFotoFotoFoto

Premiere
21. November 2008

Heinrich von Kleist

Die Familie Schroffenstein

ab 15 Jahren

Regie: Michael Miensopust / Ausstattung: Philipp Kiefer /
Komposition: Christian Dähn
Mit: Daniel Blum, Marie-Louise Gutteck, Rupert Hausner, Christian Beppo Peters, Claudio Schulz-Keune, Chrysi Taoussanis



Rache! Mit diesem blutigen Eid haben sich die Mitglieder des Hauses Rossitz um den Kindersarg des kleinen Peter versammelt. Was die Wut so groß macht, ist der Vorwurf - oder vielmehr die vermeintliche Gewissheit -, dass an Peters Tod dessen Onkel Sylvester, Graf von Schroffenstein aus dem Hause Warwand, die Schuld trägt. Ja, mehr noch, dass dieser eigenhändig einen Mord begangen hat. Auslöser dieses Verdachts ist ein Erbvertrag zwischen den beiden verfeindeten Häusern Rossitz und Warwand: Sollte eines der Häuser ohne Erben bleiben, so fällt der Besitz dem anderen Familienzweig zu.
Wenig später begegnet Ottokar, Sohn und Erbe aus Rossitz, in den Bergen - also gleichsam zwischen den Fronten - Agnes, der einzigen Tochter Sylvesters. Ohne zu wissen, mit wem sie es zu tun haben, verlieben sie sich ineinander. Unterdessen spitzt sich die Lage zwischen den verfeindeten Familien zu: Ottokars unehelicher Halbbruder Johann hat sich ebenfalls in Agnes verliebt. Er verfolgt sie bis zur väterlichen Burg nach Warwand und drängt sie, da er ihre Liebe nun einmal nicht erringen kann, ihn zu erdolchen. Agnes missdeutet seine Absicht und fällt aus Angst vor ihm in Ohnmacht. Mit dem Dolch in der Hand über die bewusstlose Agnes gebeugt, wird Johann für einen gedungenen Mörder gehalten und man sticht ihn nieder. Immer wieder klaffen scheinbar Offensichtliches und Wirklichkeit auseinander und bewirken eine fatale Verkettung grausamer Folgetaten. Indessen begegnen sich Agnes und Ottokar erneut im Gebirge und entdecken die Identität des jeweils anderen. Ihre gegenseitige Liebe, die sich über die Verdächtigungen, Beschuldigungen und wahren Vergehen "des Feindes" hinwegsetzt, könnte die Chance für eine Befriedung und einen Neubeginn sein. Doch die beiden Häuser sind so tief in gegenseitigem Hass verstrickt, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes blind vor Wut auf eine beidseitige Katastrophe zusteuern.

Kleist hat in seinem Erstlingswerk das Romeo-und-Julia-Motiv aufgegriffen und variiert: Zwei verfeindete Familien stehen einander unversöhnlich gegenüber. Durch Verblendung und blinden Hass beginnt ein Teufelskreis aus Verleumdung, Beleidigung und Mord, dem auch die Liebenden nicht entfliehen können.


© Landestheater Tübingen