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Premiere
10. Oktober 2008

Henrik Ibsen

Hedda Gabler


Übersicht

18. Oktober 2008
Eßlinger Zeitung

13. Oktober 2008
Reutlinger General-Anzeiger

13. Oktober 2008
Reutlinger Nachrichten

13. Oktober 2008
Schwäbisches Tagblatt


Falsches Leben am falschen Ort
Dieser Frau hätte niemand helfen können, ist am Ende klar, als Hedda sich erschießt und ihre blutige Schläfe am Milchglasfenster ihres Salons im Hinabsinken eine grausige Spur zieht. In Ralf Siebelts Inszenierung am Landestheater ist Hedda Gabler kein Opfer der gesellschaftlichen Enge oder der Verstrickung ihrer Gefühle, sondern eine destruktive Persönlichkeit, die nicht weiß, wohin mit sich und kaputt macht, was nicht ihrem Ego dient. Wobei dieses Ego keineswegs gefestigt ist, was die Frau absolut unberechenbar macht.

Eindrucksvolles Debüt am LTT
Jessica Higgins gibt mit dieser Hedda ein eindrucksvolles Debüt am LTT. Die erste Szene zeigt die attraktive Jungvermählte, den mageren Körper von einem eleganten Hosenanzug verhüllt, wie sie barfuß das weite Rund des Einbau-Sitzarrangements ihres neuen Luxusheims abbalanciert. In sich versunken wie ein Kind. Und wie ein Kind wird sie wenig später ihre Langeweile bejammern. Das Spiel mit den Pistolen ihres Vaters, des Generals Gabler, mit gezielten Schüssen an Richter Brack vorbei, zeigt dann die riskante Seite ihrer Infantilität.

Diese paart sich indes mit einem scharfen Verstand und raffiniert eingesetzter Weichheit, ja Zärtlichkeit, wenn Hedda etwas erreichen möchte. Die Charakterzüge dieser zugleich herrischen wie ihrer selbst nicht sicheren Hedda sind schlüssig herausgearbeitet, aber bald ihres Geheimnisses entleert, weil die Konflikte daraus nicht richtig lebendig werden. Sie lebt eben ein falsches Leben am falschen Ort (den Bühnenbildner Max Julian Otto imposant gründerzeitlich eingerichtet hat).

Die vermisste Spannung liegt einesteils an den blassen Mitspielern, von denen allein Danny Exnar als Unglücksrabe von ungeliebtem Ehemann Tesman richtig Profil gewinnt, und andererseits an der stark eingedampften Stückfassung. Auf 90 Minuten gekürzt fallen auch viele Erläuterungen über Heddas Lebensumstände unter den Tisch, die im 19. Jahrhundert doch ziemlich anders waren als heute. Und was man nicht einordnen kann, langweilt. So erhält die Aufführung, die durchaus thrillermäßig von einem Akt in den nächsten irrlichtert, gewisse Längen.

Vor allem die Beziehung zwischen Hedda und ihrem Ex-Geliebten Ejiert bleibt belanglos, wo sie doch auf den Tod gefährlich gewesen sein müsste. Martin Maria Eschenbach gibt dem exaltierten Genie eine virile Ausstrahlung, bleibt aber ansonsten ziemlich steif. Die heute wichtigtuerisch klingenden Titel seiner kunstphilosophischen Schriften hätte man besser verschwiegen, denn prompt lockte ihre unfreiwillige Komik einige Lacher hervor und suggerierte, Ejiert sei ein Blender.

Auch Gotthard Sinn als Richter Brack und Freund des Hauses, der sich die schöne Hedda gerne gefügig machen würde und am Schluss mit einer Erpressung auch fast ans Ziel kommt, bleibt merkwürdig uninteressant. Ein älterer Lüstling eben. Und Silvia Pfändner als Frau Elvsted erstaunt mit unverständlichen Verhaltensweisen. Anfangs hyperventiliert ihre Elvsted geradezu in der Befangenheit des ersten Besuchs bei ihrer alten Schulfreundin Hedda und am Schluss bewältigt sie den schlimmen Tod ihres Geliebten im ruhigem Ordnen von dessen Konzeptseiten gemeinsam mit Tesman, bevor Hedda ihr Ideal eines schönen Todes wenigstens bei sich selbst erfüllt.

Reutlinger General-Anzeiger, 13. Oktober 2008


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