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Premiere
7. März 2008

Witold Gombrowicz

Yvonne, die Burgunderprinzessin

ab 15 Jahren

Regie: Michael Miensopust / Ausstattung: Cornelia Brey / Dramaturgie: Katrin Aissen
Mit: Britta Benedetti, Daniel Blum, Marie-Louise Gutteck, Rupert Hausner, Heiner Junghans, Anne-Kathrin Klatt, Stefan Naszay, Chrysi Taoussanis
Dauer: 120 min.



Wir befinden uns am Hofe von Burgund. König, Königin und Gefolge ergehen sich an ihren täglichen Lustbarkeiten. Man spielt Bridge, bewundert den Sonnenuntergang und erquickt mit seinem Anblick die Untertanen.
Für den jungen Prinzen Philipp besteht das Leben in erster Linie darin, die junge Damenwelt mit amourösen Abenteuern zu beglücken. Ihn selbst interessieren diese - sich wie in einer Endlosschleife wiederholenden -Liebesaffären und erotischen Verwicklungen schon lange nicht mehr. Das Amüsement ist zur Pflichtübung verkommen. Gelangweilt und angeekelt von dieser Routine ist er auf der Suche nach dem Exzeptionellen, nach dem außergewöhnlichen Ereignis, das etwas Abwechslung in sein auf Zeitvertreib ausgerichtetes Leben bringen soll.
In diesem Moment läuft ihm Yvonne über den Weg. Ein Wesen, das aus allen Rastern fällt, und - wie spannend! - das von der Hofetikette anscheinend nicht den blassesten Schimmer hat. Nicht genug damit, dass sie "ihrer Bestimmung als junges Mädchen" nicht folgen will, dass sie kein Interesse am Tändeln und Flirten mit jungen Männern hat - ja, sie scheint von ihrer Umgebung noch nicht einmal Notiz zu nehmen. Durch ihre sperrige Andersartigkeit erweckt sie sofort das Interesse des Prinzen, der sich - zum Ärger des gesamten Hofstaats - entschließt, die wortkarge Unbekannte zu heiraten. In dieser wie geschmiert funktionierenden Gesellschaft ist Yvonne der Sand im Getriebe, der Dorn im Fleisch. Der Unmut gegen die durch ihre Passivität und Lustlosigkeit provozierende Fremde kulminiert in einem pompösen Festessen.

In Witold Gombrowicz' scharfzüngiger Groteske werden gesellschaftliche Normen, Ideologien und Konventionen durchleuchtet und ad absurdum geführt. Mit tödlichem Witz seziert er Alltagsphrasen, Floskeln und zur Form erstarrte Traditionen. In seinem bereits 1938 geschriebenen Theaterstück wendet sich Gombrowicz gegen die Funktionalisierung sämtlicher Lebensbereiche - ein Thema, das uns heute wohl mehr denn je beschäftigt.


© Landestheater Tübingen