Wir sind umgezogen! Hier gehts zur neuen Homepage des LTT

FotoFotoFotoFotoFotoFotoFoto

Premiere
11. April 2008

Franz Kafka

FranzFranzFranz - Ein Kafka-Prozess

Regie: Mario Portmann / Ausstattung: Grit Wendicke / Komposition: Christian Dähn / Dramaturgie: Anna Haas
Mit: Danny Exnar, Katja Gaudard, Silvia Pfändner, Karlheinz Schmitt


Franz Kafka, am 3. Juli 1883 als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Kaufmanns in Prag geboren, studierte von 1901 bis 1906 Germanistik und Jura in Prag. Von 1908 bis 1917 arbeitete er tagsüber als Versicherungsangestellter, während er nachts schrieb. 1917 erkrankte er an Tuberkulose, was ihn 1922 zur Aufgabe des Berufes zwang. Er starb am 3. Juni 1924 in Klosterneuburg, Kierling. Zu seinen wichtigsten Werken gehören, neben den Erzählungen, die Romane: "Der Prozess", "Das Schloss", und "Der Verschollene" (veröffentlicht unter dem Titel "Amerika").


Josef K. - ein juristisch aussichtsloser Fall, sich keiner Schuld bewusst und dennoch schuldig, denn "nicht die Behörde sucht die Schuld, die Schuld zieht die Behörde an". Kafkas "Prozeß" bildet Rahmen und Angelpunkt für einen Abend über den Schriftsteller und Versicherungsbeamten Franz K., dessen Kampf, die Widersprüche seines Lebens zu vereinen, ebenso aussichtslos scheint wie der Prozess seines Protagonisten.
Einen "stehenden Sturmlauf" nannte Franz Kafka seine immer wieder missglückten Lebens- und Entfaltungsversuche. Nur das Schreiben gab ihm Halt und Kontinuität. Mit den Zähnen versuchte er sich an seinem Schreibtisch festzubeißen, wenn er sich seinem Brotberuf als Angestellter der Arbeiter-Unfall-Versicherung entziehen konnte. Liest man seine Romane, Erzählungen, Tagebücher, Briefe und amtlichen Schriften, entfalten sich die bekanntesten und die ungeahntesten Facetten Franz Kafkas: der studierte Jurist, der seinen Protagonisten Josef K. scheinbar grundlos im Bett verhaften lässt; der Liebende, Sehnsüchtige, der im gesellschaftlichen Leben endlich Fuß fassen möchte und sich doch nicht entschließen kann; der Schreibende, dessen Krankheit zur Rettung vor dem Leben wird; und nicht zuletzt der Künstler, der im rauschhaften Schreiben fantastische Welten erschafft und sich das eigene Leben zusehends versagt. Das eigene Leben, das er ohnehin nur als "stehendes Marschieren" empfunden hat - "eine Entwicklung höchstens in dem Sinn, wie sie ein hohl werdender, verfallender Zahn durchmacht" - bitterer Hohn im Angesicht des Werks dieses großen Dichters.


© Landestheater Tübingen