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Premiere
5. Oktober 2007

Heinrich von Kleist

Der zerbrochne Krug

Regie: Cilli Drexel / Ausstattung: Hannah Landes / Dramaturgie: Anna Haas
Mit: Wenzel Banneyer, Katja Bramm, Danny Exnar, Hubert Harzer, Daniela Keckeis, Gunnar Kolb, Hildegard Maier, Leif Stawski
Dauer: 130 min. (1 Pause)



Die Landschaft um das niederländische Dorf Huisum herum ist flach, und man kann das Unglück schon von Weitem herannahen sehen. Für Dorfrichter Adam wirft es bereits am frühen Morgen seinen langen Schatten voraus: Er ist mit schmerzenden Wunden am Schädel aufgewacht, seine richterliche Perücke ist unauffindbar, - und dann meldet sich auch noch Gerichtsrat Walter aus Utrecht zur Inspektion in Huisum an. Der Fall, in dem Adam nun mit kahlem Kopf und angekratzter Autorität vor den scharfen Augen Walters Recht sprechen soll, hat außerdem mehr mit ihm selbst zu tun, als ihm lieb sein kann: Es geht um einen Krug, dessen Zerstörung die resolute Witwe Marthe Rull zu beklagen hat. Der Bauernsohn Ruprecht Tümpel soll ihn nächtens bei seinem unerlaubten Besuch bei Tochter Eve vom Sims gestoßen haben. Verzweifelt streitet Ruprecht beides ab: Er war nicht bei Eve in der Kammer, und er hat nichts mit dem Krug zu tun. Ein Dritter muss seine Hände im Spiel haben. Eve, die den nächtlichen Vorfall aufklären könnte, schweigt beharrlich. Und es gibt gute Gründe dafür: Die Gerichtsbarkeit selbst ist involviert. Indizien tauchen auf: Adams Perücke, Spuren im Schnee, schließlich eine Zeugin. Adam flüchtet sich in immer abstrusere Lügengeschichten, doch immer deutlicher zeichnet sich ab, mit welch unlauteren Mitteln er sich in der vergangenen Nacht Zutritt zu Eves Kammer verschaffen wollte. Am Ende bleibt ihm nur die unehrenhafte Flucht über die weiten Felder Huisums ...

Heinrich von Kleists Lustspiel DER ZERBROCHNE KRUG wurde inspiriert durch einen Kupferstich, vermutlich "Der Richter oder Der zerbrochne Krug" von J. J. Le Veau, über den Kleist mit einigen Dichterkollegen in einen literarischen Wettstreit über Humor geriet. 1806 stellte er sein Werk als Beweis seines komödiantischen Talents fertig, 1808 wurde es von Goethe in Weimar uraufgeführt. Dass Kleist zwischen der humorigen Zeichnung der impertinenten, bauernschlauen, katzbuckligen, kleinmiefigen und streitsüchtigen Personage stets seinen gesellschaftskritischen Scharfblick aufblitzen lässt, macht das Lustspiel auch zu einem ernst zu nehmenden Stück über Recht und Gerechtigkeit.


© Landestheater Tübingen