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Wiederaufnahme
6. Oktober 2005

Kira Elhauge / Michael Ramløse

Die Geschichte von Lena

Für Zuschauer ab 8

Regie: Michael Miensopust
Ausstattung: Irene Uredat / Dramaturgie: Monika Hunze
Dauer: 50 min.


InhaltFotos

Michael Ramløse ist einer der wichtigsten Autoren des dänischen Kindertheaters. Sein TEATRET FAIR PLAY in Holbæk prägt die dänische Kindertheaterlandschaft seit über 30 Jahren.


Mit den Ferien hatte alles angefangen. Früher durfte Lena jeden Sommer ihre Klassenkameradin und beste Freundin Maria mit in den Familienurlaub nehmen. Diesmal musste Maria zu Hause bleiben, weil Lenas großer Bruder Klaus ausnahmsweise mitkommen wollte.
Klar vermisste Lena ihre Freundin, schrieb ihr lange Briefe und berichtete, wie sie mit ihrem Bruder das erste Mal Angeln war oder dass sie beim Spielen aus Versehen barfuss in einen Kuhfladen getreten war. Eigentlich wahnsinnig eklig, aber irgendwie hatte es auch unheimlichen Spaß gemacht. Obwohl Lena auch ohne Maria wunderbare Ferien verlebte, fiebert sie nun am Ende trotzdem auf den Tag hin, an dem sie endlich wieder in die Schule gehen und ihre Freundin sehen kann.
Aber zu Schulbeginn ist nichts mehr wie vorher. Als Lena Maria auf dem Schulhof begegnet, will die nichts mehr von ihr wissen. Sie hat zwei andere beste Freundinnen gefunden denen sie Lenas Urlaubsbrief über den Kuhfladen vorliest... Und nun ist allen klar: Lena stinkt! Da kann sie duschen, sooft sie will.
Niemand möchte mehr etwas mit ihr zu tun haben, ihr Platz in der Klasse neben Maria ist besetzt, sie darf nicht mehr mitspielen, ja selbst ihr bester Freund wendet sich von ihr ab. Als sie dann ihren Geburtstag feiern will und alle etwas Besseres vorhaben, kann Lena einfach nicht mehr!
Eines Novembermorgens ist sie weg. Jetzt erst stellen ihre Eltern fest, dass sich Lena seit den Sommerferien verändert hat.

Wie schlimm es ist, zum Außenseiter zu werden, erlebt jeder Mensch irgendwann einmal. Um ausgeschlossen zu werden, braucht es keinen Grund. Ein kleiner Zwischenfall kann genügen, und man ist draußen. Oft passiert es gerade denen, die eher ruhig sind, sich nicht gleich lautstark rühren, wenn ihnen etwas Ungerechtes geschieht. Gerade Kinder können sich häufig nicht wehren und brauchen dann die Aufmerksamkeit der Erwachsenen. Aber oft nimmt die Umwelt ihre Nöte gar nicht wahr, gerade weil die Ursache so banal ist.

Am Abend schrieb ich einen Brief an Maria und erzählte ihr alles, was passiert war. Und nächste Woche schrieb ich wieder - übernächste auch. Und unsere Adresse schrieb ich ihr auch. Aber wahrscheinlich hatte sie keine Zeit, mir zu schreiben.


© Landestheater Tübingen