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Premiere
23. Februar 2007

Händl Klaus

Dunkel lockende Welt


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Stuttgarter Nachrichten

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26. Februar 2007
Reutlinger Nachrichten

26. Februar 2007
Schwäbisches Tagblatt


In die Sonne oder ins eisige Finnland
Tübingen: „Dunkel lockende Welt"

Corinna hat es eilig. Die Wohnung ist leer geräumt und sauber geputzt, sie zieht nach Peru zu ihrem Freund, der dort bereits arbeitet. Sagt sie zumindest. Doch da ist noch ihr Nachbar Joachim Hufschmied, der sich höflich plaudernd, aber auf die Dauer doch ziemlich lästig werdend von Corinna umtändlich verabschiedet.
Der 38-jährige Händl Klaus hat ein gutes Gespür für Theaterstoffe: Drei Stücke hat er bisher geschrieben, zwei davon wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen, die Fachwelt kürte ihn vom Nachwuchsdramatiker des Jahres, 2006 zum Dramatiker des Jahres. In „Dunkel lockende Welt“ beschreibt der Autor Sehnsüchte von heute: Da ist zum einen die Sehnsucht nach einem sonnenverwöhnten Land, wo man Entwicklungshilfe bei den Ärmsten der Armen verrichtet, da ist aber auch die Sehnsucht nach dem eiskalten Finnland, wo Tiere in Winterstarre verfallen und danach aufwachen, als wäre nichts gewesen.
Simone Sterr, Intendantin der Tübinger Landesbühne, hat in ihrer Inszenierung für ihr Haus das Stück ganz im Absurden verortet. Nichts gegen Sebastian Nüblings Uraufführung an den Münchner Kammerspielen, dessen Sicht auf Bizets „Carmen“ gerade in der Stuttgarter Oper zu sehen ist, doch losgelöst von noblem Ambiente und noch verdrehter und grotesker, offenbart der Text weitaus mehr Spannung.
Corinna hat es fast geschafft, dem Nachbarn scheint nichts mehr einzufallen, wie er das Gespräch hinziehen kann, da entdeckt er ein Fingerglied. Und wir ahnen mit ihm mit: Vielleicht gibt es den Freund gar nicht mehr, vielleicht hat sie ihn umgebracht. Und schon hat sich das Blatt gewendet, Corinna ist froh um jeden Satz, den sie mit ihm sprechen kann, bietet sogar das Du an.
Ausstatterin Gitti Scherer hat einen nüchternen, überwiegend weißen Raum gestaltet, an den Wänden befinden sich einige Seile, in denen sich die Darsteller immer wieder kunstvoll verheddern. Was anfangs gespreizt und ziemlich distanziert wirkt, ist am Ende ein packendes Psychodrama.
Daniela Keckeis spielt die Corinna gespannt bis in die letzten Nervenenden, während Udo Rau den Nachbar Johannes ganz formvollendet und mit Höflichkeitsfloskeln bewandert gibt. Katja Gaudard als Corinnas Mutter Mechthild löst grandios die Aufgabe, einen wissenschaftlich detaillierten Monolog über die Fotosynthese kurzweilig zu gestalten.

Stuttgarter Nachrichten, 28. Februar 2007


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