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Premiere
19. Mai 2006

Evgenij Grischkovez

Die Stadt

Aus dem Russischen von Stefan Schmidtke

Regie: Eberhard Köhler
Ausstattung: Vesna Hiltmann / Dramaturgie: Volker Schubert
Mit: Ina Fritsche, Hubert Harzer, Johannes Schön, Leif Stawski
Dauer: 80 min.


Evgenij Grischkovez, 1967 in Kemerowo (Sibirien) geboren, ist seit Ende der 90er Jahre als Darsteller eigener Monolog-Stücke bekannt geworden: seine Solostücke WIE ICH EINEN HUND GEGESSEN HABE (1998) und [s]Gleichzeitig[/s] (1999) waren auf zahlreichen Festivals auch in Europa zu sehen. Seit Beginn der Saison 2000/2001 spielt er seine Stücke als ständiger Gast am Theater "Schule des zeitgenössischen Stücks" in Moskau. Er wurde mit dem russischen "Antibooker Literaturpreis" für Dramatik ausgezeichnet. Im September 2001 schloss er die Arbeit an [s]Die Stadt[/s] ab. Die Uraufführung fand an der Tabakjerka, dem Theater von Oleg Tabakow, in Moskau statt.

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Glücklich zu sein, ist eine ernsthafte Arbeit. Eine Arbeit an der Seele. Dazu muss man auch einiges wagen.Evgenij Grischkovez

Sergej hat eigentlich alles, was man zu einem glücklichen Leben braucht: er ist ein junger Familienvater, hat eine schöne Wohnung, einen guten Job und mehr oder weniger gute Freunde. Doch plötzlich überkommt ihn das dringende Bedürfnis, einfach wegzufahren. Egal wohin und um welchen Preis. Für wie lange, weiß er nicht und auch nicht so recht warum. Wie soll er das nur seiner Frau erklären, dem besten Freund oder dem eigenen Vater? Und doch wird er dieses dumpfe Gefühl von Stillstand und unerträglicher Enge einfach nicht los. Die Vision, dass sein Leben immer so weiterlaufen könnte, nimmt ihm die Luft zu atmen. Doch alle Erklärungsversuche scheitern kläglich. Erst nach der vollständigen Demontage dessen, was sein bisheriges Dasein ausgemacht hat, scheint ein Neuanfang möglich.

Mit frappierender Beiläufigkeit stellt der russische Stadtneurotiker Sergej scheinbar banale und doch immer wieder quälende Fragen ans Leben, die sich keineswegs nur auf russische Alltagswelten beschränken. Wieso sind Kugelschreiber und Notizzettel eigentlich nie dort, wo man sie gerade dringend sucht? Und wieso ist der Sommer denn schon wieder fast vorbei - wo man sich doch so viel vorgenommen hatte und jetzt doch nur zweimal baden war? Oder die Renovierung, für die man einen minutiösen Zeit- und Finanzierungsplan entwickelt hat, und die sich nun zieht und zieht und das Budget natürlich längst gesprengt hat. Und wie war das mit den Freunden, die immer nur dann wie aus dem Nichts auftauchen, wenn sie etwas brauchen. Fragen und Phänomene, die eigentlich jeder kennt. Grischkovez gelingt es dabei mit leichter Hand, tiefsitzende Lakonie von ihrer komischsten Seite zu zeigen.


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