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David Edgar

The Prisoner's Dilemma

Aus dem Englischen von Lida Winiewicz


Übersicht

6. April 2006
Esslinger Zeitung

28. März 2006
Reutlinger General-Anzeiger

27. März 2006
Reutlinger Nachrichten

26. März 2006
Stuttgarter Nachrichten


Terror für Frieden und Freiheit

Bei dieser Inszenierung stimmt einfach alles: Der Spielort im noch nicht bezogenen Tübinger Landratsamt mit den von Ausstatter Till Kuhnert gestalteten Räumen; das großartig agierende Ensemble aus elf Schauspielern und ebenso vielen Statisten; Regisseur Clemens Bechtels bestechende szenische Einfälle und die Vielschichtigkeit seiner lebensprallen Figuren. Das Ergebnis: drei Stunden bewegendes Polittheater.

Ein komplexes dramatisches Planspiel um Frieden und Gerechtigkeit entwickelt der englische Autor David Edgar in seinem Stück "The Prisoner's Dilemma". In einem aus der untergegangenen Sowjetunion hervorgegangenen fiktiven Land namens Karkasien kämpft die ethnisch-religiöse Minderheit der Drosdaner mit Terroranschlägen für ihre Unabhängigkeit. Mit Waffengewalt versucht die Regierung, die Autonomiebestrebungen zu ersticken. Das Szenario verweist unverhüllt auf die blutigen Auseinandersetzungen in den zahlreichen Krisengebieten von Tschetschenien über den Nahen Osten bis nach Afrika.

Im politischen Raum Landratsamt mit seiner Nüchternheit aus Glas und Stahl entwickeln die Spielszenen vom Dilemma zwischen Karkasiern und Drosdanern eine besondere Dynamik. Plenarsaal, Foyer, Fraktionszimmer und Tiefgarage verwandeln sich in Verhandlungsräume, Refugien der Heimatverbundenheit, Militärlager und vom Bürgerkrieg verwüstete Privatbereiche.
Immer wieder werden auch die Zuschauer in den Verhandlungspoker zwischen den Konfliktparteien und Vertretern der Staatengemeinschaft einbezogen. In vorgegebenen Alltagssituationen müssen sie das Verhalten ihres unbekannten Gegenübers vorhersagen und darauf reagieren. Dabei erlebt das Publikum verstört, wie schwer harmonisches Miteinander zu erreichen ist, weil strategisches Kalkül und Emotionen sich wechselseitig beeinflussen.

Stuttgarter Nachrichten, 26. März 2006


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