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Editorial

LIEBES PUBLIKUM,

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WIEDERAUFNAHME "68"

Die große Resonanz auf die Inszenierung „68“ brachte das LTT dazu, zu Beginn der Spielzeit noch einmal eine Staffel mit sechs Vorstellungen in der Neuen Aula anzusetzen. Viele Interessierte hatten vergeblich versucht, eine der auf 150 Stück begrenzten Karten zu bekommen. Neu in dieser Spielzeit ist, dass Nadja Migdal die Rolle von Theresa Lange als Gudrun Ensslin übernimmt, die hier in Tübingen Bernward Vesper kennen lernte. Exemplarisch zeigt Regisseur Clemens Bechtel an ihrer Liebesgeschichte den Prozess einer konsequenten und tragisch endenden Durchdringung des Privaten durch das Politische, dem Kampf für eine gerechtere und demokratischere Gesellschaft. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Vermächtnis der 68er. Studierende von heute blicken zurück auf den jüngsten Bildungsstreik und Zeitzeugen der Studentenbewegung auf ihr 68. Per Videoeinspielungen. Unter ihnen auch Walter Schwenninger. Seinen persönlichen Kampf gegen die Krankheit hat der konsequente Verfechter einer gerechteren Welt zwar verloren, doch sein Engagement lebt weiter, unter anderem durch das Projekt der Schulpartnerschaft des Uhland-Gymnasiums mit der Partnerschule „Fey Alegria“ in Villa El Salvador in Peru.

Ich bin davon überzeugt, dass die künstlerische Reflexion unserer Lebenswirklichkeit unverzichtbarer Bestandteil unseres Zusammenlebens ist, dass wir uns die geistige Verarmung unserer Gesellschaft einfach nicht leisten können.

So wie Grünflächen, Spielplätze, Kirchen und Museen zu einer lebendigen Stadt gehören, braucht eine urbane Struktur einen Ort, an dem ein gemeinsames Erleben und Befragen von Welt stattfindet. Einen Platz, an dem kein Konsum herrscht und kein Profit gemacht wird. Eine Freifläche für ungewöhnliche Gedanken und Utopien.

Nutzen Sie die Bürgerbefragung der Stadt Tübingen zur Haushaltskonsolidierung, um für die Erhaltung dieser Lebensräume zu kämpfen. Das schlimmste, was in der derzeitigen Debatte passieren kann, ist das populistische Ausspielen von Institutionen gegeneinander. Tübingen ist schlau genug, Mehrheitsentscheidungen zu treffen, die die kulturelle Vielfältigkeit dieser Stadt beschützen.

Bereits am 24. September hat das KJT mit JETZT MAL IM ERNST in der Geschwister-Scholl-Schule Premiere. Eigentlich hat man in der Pubertät wirklich nichts zu lachen. Das Leben ist ernst und schwierig. Vieles versteht man nicht und man wird von vielen nicht verstanden. Regisseur Michael Miensopust, Comedian Helge Thun und Schauspielerin Stefanie Klimkait versuchen dieser Lebensphase dennoch mit Humor beizukommen.


Nach außen zieht es uns zum wiederholten Mal mit den Wiederaufnahmen der Stücke „68“ und NIPPLEJESUS. Das Stadtprojekt von Clemens Bechtel, in dem wir die Auswirkungen der Generation ‘68 auf die heutigen Formen des Widerstandes untersucht haben, kann noch sechs Mal in der Uni Tübingen gespielt werden. Nick Hornbys Monolog über den modernen Kunstbetrieb wird, nachdem er zwischen den Pin-up Girls von Mel Ramos gezeigt werden konnte, nun in die Ausstellung „Männerbilder“ wandern.


Am 8. Oktober öffnet sich dann der Vorhang zur ersten Premiere im Großen Saal: ROMEO UND JULIA. Ralf Siebelt inszeniert die schönste Liebesgeschichte der Welt als interkulturelle Begegnung, als die Überwindung des Fremden, des Unverständlichen mittels der universellen Weltsprache: Liebe. Das LTT-Ensemble wird für diese Inszenierung erweitert durch Kollegen/innen unseres russischen Partnertheaters in Petrozavodsk, mit dem uns seit über einem Jahr eine enge Theaterfreundschaft verbindet.


Eher einsam streunt DER STEPPENWOLF nach Hermann Hesse durchs Leben und ab dem 29. Oktober durch unser Theater. Stefan Rogge inszeniert diesen, mit Musik von Andreas Debatin angereicherten, Roman, der Generationen von Menschen auf der Suche nach einem sinnhaften Dasein begleitet hat. Nicht zu vergessen ist bei aller mystischen Verklärung, die dieser Figur aufgebürdet wurde, der Humor, mit dem Hesse und Haller dem Weltekel und Daseinsschmerz zu begegnen versuchen.

Humor ist das Stichwort für IM FALSCHEN FILM ODER ROBERT DE NIRO IST TOT (Arbeitstitel) von Petr Zelenka, die Eröffnung der Werkstatt am 28. Oktober. Ein Fest für die Schauspieler Katja Gaudard und Karlheinz Schmitt und ihre Zuschauer, die erleben müssen und dürfen, wie Timing, Anschluss, Text auf das Virtuoseste aus dem Ruder laufen. Eine rasende Komödie, bei der der Verstand Federn lässt und die Lachmuskeln schlapp machen.

Ich freue mich auf Ihren Besuch, Ihre Meinung, Ihr Interesse

Simone Sterr

Spielzeit 10/11

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